Reiseberichte zum Thema 'Urlaube&Radtouren'

Um uns herum auf dem Campingplatz Vogelgezwitscher, dass es eine wahre Pracht hat. Neben uns im Gebüsch manchmal das Schlagen einer Nachtigall. Und M hat Papageien entdeckt. Des Nachts kräht ein
Hahn und Hunde heulen.
Um den Petersdom zu
beschreiben fehlen mir die Worte. Jedes Mal (na ja, nur 2 Mal bis jetzt) nimmt die ausgewogene Schönheit dieser Kirche mich gefangen. Sie ist, da haben die Katholen recht, die schönste Kirche der
Welt-soweit ich das beurteilen kann. Bei Ortheil gelesen (Die Erfindung des Lebens):
?Ich sehe die ausatmende, mächtige ruhende Kuppel und das schwache letzte Licht in ihrer schmalen Laterne oben. Das
Bild, das ich sehe, erscheint unglaublich entrückt denn das, was ich nun sehe ist keine Kirche mehr, sondern wirkt wie ein unbetretbares Jenseits. Wer hat das gebaut? Hat das überhaupt jemand
gebaut? All das. was ich sehe, wirkt so makellos schön und so stimmig, als handelte es sich um eine Verkörperung der Schönheit selbst, um eine Verkörperung ihrer Idee, wie das Maß aller Dinge.?
Worte, wem Worte gebühren.
Trastevere liegt ?tripp de
Bach? sagen die Römer (ja, ja, auf Italienisch) Es ist der Stadtteil auf der anderen Tiberseite, in dem wir wohnen möchten. M sucht sich öfters Fenster aus, die auf einen der vielen kleinen
Plätze hinaus gehen und sagt: da oben. Klein, eng, verwinkelt, mit Kneipen, Lokalen, Musikkeller, engen Geschäften, quirligem Gedränge und freundlicher Atmosphäre. Es war einmal das
Arbeiterviertel. Noch immer feiern sie ihre Feste, stellen Tische und Stühle hinaus und feiern bis spät in die Nacht. Wir sitzen auf der Straße vor einem Kaffee mit kubanischer Musik.
H hat sie entdeckt, die
Villa Farnesina. Der reichste Mann Roms hat sie im 16. Jhdt. für seine Geliebte bauen und von berühmten Künstlern ausschmücken lassen. Auch Raffael hat an der Decke gehangen und Götter
geschaffen, die mit ihresgleichen spielen und die nach oben starrenden Menschen im Saal unter ihnen mitnichten beachten. Das ist man von Göttern gewohnt.
Im
Festsaal im 1. Stock öffnen sich die Stirnwände zu Säulen auf eine Loggia hinaus mit einem herrlichen Blick auf das Meer. Alles gemalt. Sogar der Fußboden mit den verschiedenfarbenen
Marmorplatten ging perspektivisch exakt weiter in den dreidimensionalen Bilderraum.
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Freitag, den 3. Mai
2013: ?Mich erstaunt immer wieder, wie unbefangen Italiener mit ihren Altertümern umgehen. Dass für die Innenausstattung von Kirchen und Palästen alte Säulen aus Römer- und Griechenzeit verwendet
wurden war bekannt. Dass unbekümmert Kirchen auf heidnische Tempel aufsetzten, noch heute deren Struktur außerhalb sichtbar ist, finde ich frech. Und oben auf dem Colosseum ähnlichen alten Teatro
Marcello thronen moderne Wohnungen. Genial unbekümmert.
Er sei der schönste Platz Roms sagen manche, der von
Michelangelo entworfene Campidoglio mit seinen rautenförmig angeordneten Palästen, dem zur Mitte hin gewölbten Platz, dem Reiterstandbild aus Bronze (lange Zeit haben die Christen angenommen, es
wäre Konstantin, ihr Einführer in die Staatsreligion, sonst hätten sie den ollen Cesar Mark Aurel längst eingeschmolzen).
Samstag, den 4. Mai
2013. ?Die Schlange wartender Menschen vor dem Museum windet sich mindestens 500 Meter um mehrere Ecken der gewaltigen Außenmauer des Vatikans. Mit drei Stunden Wartezeit sei zu rechnen, hören
wir. In der prallen Sonne! Extra früh waren wir los und doch nicht früh genug. Nachmittags komme ich wieder vorbei und staune. Weg ist die Warteschlange. Werden wir das nächste Mal
berücksichtigen.
Wir begegnen häufig Japanerinnen mit Mundschutz, alle der Sonne ausgesetzte Haut mit Stoff bedeckend, Sonnenschirm und Kameras. Doch jetzt habe ich eine gesehen, noch jung und lustig,
die hatte neben besagten Kleidern und Handschuhen eine Art Helm auf dem Kopf wie sie Waldarbeiter tragen und den Plastik-Schutzschirm vor ihr Gesicht geklappt.
(Das Foto vom Campidoglio ist von Hanne)
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Dienstag, den 30. April
2013: ?San Giovanni in Laterano ist die erste Kirche Roms - sagen sie (nehme mal an, die ersten Christen hatten auch schon welche. Oder ist damit gemeint, die am Wichtigsten?). Im 4 Jhdt. n.C.
gebaut und bis zur Fertigstellung des Petersdom Sitz des Papstes. Ich hatte mir eine einfache Kapelle vorgestellt, animiert von einem früheren Bild. Hätt ich mir ja denken können, die Päpste
strebten schon immer nach Reichtum. Fünfschiffig (!) ist der Bau, voller Gold und Silber, Historienschinken und seltener, teils seltsamer Figuren.
Einem der Apostel haben
sie die gehäutet. Da steht er nun, überlebensgroß, aufrecht, kraftstrotzend und lässt seine Haut über seine Toga dem unter ihm stehenden Zuschauer entgegen gleiten.
Gestern war 1. Mai ?und alles hatte geschlossen, nur die Kirchen waren als Kontrastprogramm geöffnet. Wir sind durch die ruhige Stadt geschlendert, am Colloseum vorbei,
von oben auf die Reste
des Forums geschaut, ein Steinfriedhof. Meine Fantasie reicht nicht um die Tempel und Prachtbauten des einstigen Mittelpunkts der Welt zu rekonstruieren. Alles liegt tiefer als das heutige Rom.
Neun Meter tief haben sie graben müssen um die alten Stätten frei zu legen. 2000 Jahre Flugsand, Müll, Zerstörung Roms haben die Stadt gehoben.?
Wo waren sie, die Römer an diesem 1. Mai? Die Stadt scheint leer. Alle beim Gewerkschaftskonzert? Wir haben sie gesehen, die riesige Bühne mit dem Orchester und den enormen Lautsprechern auf dem
Platz neben der ersten Kirche Roms, dem Laterano.
Wir sitzen am Campo dei Fiori, vor uns 3 ältliche Cavallieri mit einer Dame. Der mir gegenüber hat den Kragen seines Polohemdes hochgestellt, einen leichten Schal elegant verschlungen darum
gebunden, seine Designerbrille leuchtet in mehreren Farben, weit ausholend redet er, begrüßt - Küsschen, Küsschen - Männer wie Frauen die vorbei schlendern und vor ihm liegen 2 Smartphones, auf
die er wechselseitig ab und an sorgsam eintippt. 2 Handys hat auch der Typ ihm gegenüber, bei dem 3. kann ichs nicht sehen. Die teuren Geräte sind demonstrativ Gebrauchsgegenstände, sie liegen
sorgfältig sorglos übereinander und Brot sowie andere Krümel bedecken sie. Wer hat, der zeigt.
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Donnerstag, den 2. Mai 2013 komm ich mal wieder zum Schreiben. ?
Seit Sonntag Rom. Rom,
überall Rom. Kultur, Architektur, Geschichte, Gegenwart, Menschen, Plätze, volles Programm. Ist ja auch nicht schwer, wo man hinschaut gibt es was zu sehen. Mal sehr alt, mal weniger und auch
wenns neu ist, ist`s zumeist schön.
Es ist das nachgeholte Jubiläumsgeschenk an uns selbst. Vor 31 Jahren haben wir gemeinsam geheiratet, H&J, M&ich. In Hommertshausen. Und weils so gut war und zur Erinnerung wollten wir
meiner Schwester und Freund J ?unser? Rom zeigen.
Herfahrt mit viel Regen
über die Autobahn Ulm, später über eine Höhenstraße durch die Alpen nach Österreich. Um 17.00, sagte das Navi, seid ihr in Lazise. Denkste. Um 20.00 waren wir da, 12 Std. gebraucht wg. Staus,
fehlender Vignette, Umleitungen. Doch des Abends zum Dank im Porticciolo, einem unserer Lieblingsrestaurants.
Sonntag 28. April 2013 Rom. ?Der Campingplatz am Stadtrand liegt am Tiber und heißt so. Es ist völlig ruhig, nur nachts kräht manchmal ein Hahn. Jede 1/2 Std. fährt ein Bus zur S-Bahn und wenn
wir die schnelle kriegen, sind wir in 20 Min. an der Piazza del Populo, mitten in der Stadt.
Montag, 29. April 2013:
?Zur Einstimmung am 1. Tag durch das Tor, Jahrhunderte lang Eingang Roms vom Norden her, auf den Platz des Volkes, für M und mich der schönste in Rom. Hoch, am Park der Villa Borghese entlang mit
Blick auf die herrliche Stadt, an der Spanischen Treppe hinab zum Corso, abgebogen zur Fontana die Trevi, durchs Gewühl hindurch auf Nebengassen bis zur Piazza Venezia. Da brauchten wir was zu
trinken bei gefühlten 40 Grad. Dann die obligatorische Bustour, wir erwischen ?Roma Christiana?. Nu ja. An jeder Ecke eine Kirche. Wie viel hat Rom davon? 4000 wird geschätzt.
Dienstag, den 30. April 2013: ?San Giovanni in Laterano ist die erste Kirche Roms - sagen sie (nehm mal an, die ersten Christen hatten auch schon welche). Im 4 Jhdt. n.C. gebaut und bis zur
Fertigstellung des Petersdom Sitz des Papstes. Ich hatte mir eine einfache Kapelle vorgestellt, animiert von einem früheren Bild. Hätt ich mir ja denken können, die Päpste strebten schon immer
nach Reichtum. Fünfschiffig (!) ist der Bau, voller Gold und Silber, Historienschinken und seltener, teils seltsamer Figuren. Einem der Apostel haben sie die gehäutet. Da steht er nun,
überlebensgroß, aufrecht, kraftstrotzend und lässt seine Haut über seine Toga dem unter ihm stehenden Zuschauer entgegen gleiten.
Eine Auswahl der Bilder ist hier zu finden: http://www.andere-welten.net/album-2161064.html
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16. März 2013 15:55 -. Im Tal verharschter Schnee. Es ist kalt. Der Garten voller Rehspuren. Sie haben alles Grüne abgeknabbert.
Dienstag abgefahren in Benicasim, Renate in
Castelldefels besucht (liegt kurz vor Barcelona). Ein Eindruck von der Krise: wir wollten zum WOK, dem Lokal mit grandiosem Angebot von dem man sich alles zu einem festen Preis aussuchen und an
einer Theke frisch zubereiten lassen kann. Doch das hatte zu. Montags und Dienstags abends geschlossen.
Mittwoch hinter der Grenze in einen Sturm mit Orkan-Stärke geraten. Auf der Wetterkarte abends gesehen, es waren Windstärken von 10-12 dabei. Das macht Angst, wenn der Wagen einfach so versetzt
wird und die Lastwagen gefährlich nahe vorbei donnern. Die können schneller fahren.
Die Nacht verbracht in einem kleinen Ort vor Lyon. Französische Städte haben häufig neben Kirche und Rathaus einen zentralen Parkplatz. Die Stadt anschauen war nichts, der Wind pfiff empfindlich
kalt und vor zerfallenen Häusern lungerten dunkle Gestalten. Selbst gekocht und justamente da kam die Präsentation des neuen Papstes im Fernsehen. Hätten wir sonst nie angeschaut. Muss ja auch
mal sein.
Auf der Fahrt bis zum Elsass Sonne, dann dunkle Wolkenwände mit Schneestürmen. Dahinter wieder Sonne, gefolgt von dem nächsten Schneesturm. Hat Gott sei Dank nicht gereicht, um die Straße glatt
zu machen.
Das Straßburger Münster blieb uns verwehrt wg. Mordsverkehr und eisigem Wetter. Über Kehl auf der anderen Rheinseite war gerade Schnee verweht, frierend sind wir durch die Innenstadt (nicht
schlecht, nicht schlecht), haben Glühwein und Tee mit Rum getrunken und sind weiter gefahren. In ein schönes Dorf mit großen Fachwerkhäusern. Die Vesperstube hatte Labskaus, war aber keiner
sondern Bratkartoffeln gemischt mit Blut und Leberwurst sowie Sauerkraut und Spiegeleiern. Schmeckte gut. In einer Seitenstraße geschlafen. Die Frau, die am nächsten Morgen fragte, ach sie sind
auch schon auf, war nett.
Dann gings schnell am Freitag, nur noch 4 Std. bis Hommertshausen. Und dann war da das Dorf und dann war da die Hardtbergstraße und dann war da unser Haus und davor stand der Klaus, der seit
Tagen eingeheizt hatte. Weißer Rauch aus dem Kamin zeigte an, dass wir gewählt hatten. Hier sind wir (auch) zu Hause.
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10. März 2013 09:47 -. 20 Grad, Sonne, leicht bewölkt. Hommertshausen 3 Grad, Schneeregen.
Das ist mir schon einmal passiert, dass geschenkte Tag nicht geschenkt waren. Es war in Quito. Bruder Klaus und Schwager Jörg waren zurück geflogen nach einem erlebnisreichen, intensiven Urlaub,
Schwester Hanne blieb noch ein Weilchen. Es war zu schön. Doch dann musste auch sie aufbrechen. Wir waren traurig, sahen uns länger nicht mehr. Brachten sie zum Flughafen, Tränen im Herzen.
Warteten. Und warteten. Irgendwann nach langer Zeit kam die Nachricht, der Flug wird verschoben. Und dann saßen wir wieder in der Wohnung in einer Stimmung zwischen noch da und nicht mehr da. So
ist es jetzt wieder. Heute sollte unsere Rückfahrt starten. Doch hatten wir beschlossen, ein wenig zu warten bis der Wintereinbruch mit Eis und Schnee in Deutschland mit vorhergesagtem
Verkehrschaos nachlässt. Wir fahren am Dienstag. Egal wie. Auf dem schnellsten Weg.
Es ist Sonntag.
Doch die Routine des Campingplatzes bleibt gleich. Kein Wunder, sagt Peter, wir haben schließlich jeden Tag Sonntag. Manche Männer sind noch vom alten Schlag. Sie sitzen rum und warten auf das
Essen. Viele helfen. Oft ist die Waschhalle voll Männer beim Abwasch. Sie gehen mit einkaufen, holen Wasser, bringen es weg, holen den Staubsauger oder die Ersatzbirne, was Männer halt so tun.
Schön zu sehen, wie viele Hand in Hand gehen. Junge 65jährige genau so wie ältere 80jährige. Alles ist friedlich so weit man sehen kann. Die meisten grüßen freundlich (englisch ist die
Hauptbegrüßungssprache), bleiben auch mal zu einem Schwätzchen stehen. Der Franzose von oberhalb unserer Straße schaut immer stur gerade aus, seine hübsche Frau lächelt manchmal, wenn sie ihren
Hund auf dem Fahrrad spazieren fährt. E-Bikes sind die großen Renner. Im wahrsten Sinn des Wortes. Aufrecht jagend die Rentner den Berg hier hoch. Und wenn die Langzeitcamper fahren, machen sie
ein Fest und verabschieden sich. Bis September - wenn nichts dazwischen kommt.
Es ist Sonntag. Ja doch. Gute Gerüche aus den Küchen ziehen über den Platz.
Es ist Sonntag.
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08. März 2013
8. März 2013 12:19 -. Strahlender Sonnenschein vom blauen Himmel, 21 Grad sagt die Wettervorhersage, 28 Grad unser Thermometer im WoMo. Die ersten Knospen an den Bäumen kommen raus.
Am Sonntag wollten wir die Rückfahrt starten, am 1. Tag bis Casteldefels vor Barcelona, Renate besuchen. Am Montag dann weiter um Mittwoch oder Donnerstag zu Hause zu sein. Jetzt haben wir die
Wettervorhersage gesehen und die hat uns erschreckt. Der Winter kommt mit Macht zurück. Genau zu der Zeit ist Schnee und gefrorener Regen samt Verkehrschaos vorher gesagt. Deshalb beschlossen wir
weise, 3 Tage zu warten und hoffen, das Chaos geht auch ohne uns vorbei. Ziel ist nun, spätestens am Sonntag, den 17. in H einzutreffen.
Nach unserem Umzug auf einen anderen Stellplatz
bekleckern mich die Tauben nicht mehr. Es gibt nur einen Baum und der reicht nicht, um die Hängematte auf zu hängen. Jetzt gurren sie wütend auf den Bäumen, ich habe ihren Sport verhindert:
Zielscheißen.
Da wir berichteten, dass es Gesundheitsprobleme gab, berichten wir nun, dass es sie nicht mehr gibt. Nu ja, fast.
Gestern schwimmen, derweil es regnete und kalt war (na ja, nicht richtig, nur für hiesige Verhältnisse). Zwei Damen waren schon im Becken. Sie parlierten und parlierten und parlierten in einer
unbekannten Sprache und bewegten sich millimeterweise im Becken vorwärts. Wir haben 100 Bahnen geschwommen (sind nur 10 M lang), da waren die Damen gerade zwei Mal hin und her. Unglaublich, wie
viel Worte man los lassen kann. Es war Belgisch mit Dialekt, ich hab gefragt.
Peter ist unser Nachbar und seit September da. Er ist ein großer, gut aussehender Mann mit blitzenden Zähnen. Mit seinem lachenden Gesicht und dem freundlichen Wesen ist er Anziehungspol für
Männer und Frauen. Manchmal bin ich ein wenig neidisch. Morgens macht er seine Hausarbeit, früh am Mittag kocht er abwechslungsreich und gut. Die Tage hat es selbst gemachte Reibekuchen gegeben,
die er großzügig verteilt. Auch an uns. Schon früh sammelt sich eine Gruppe in seinem Vorzelt. Dann ist es wie in Babylon, die Sprachwirren sind groß und wenn es zur Verständigung nicht reicht,
wird gelacht. Ist es kalt, macht er Glühwein für seine Gäste und die Boule-Kumpels. Denn ab 2:00 Uhr spielt er mit wechselnden Gruppen. Meistens bis 6:00 Uhr. Und dann hört man sie lachen
und fröhlich sein. Gar nicht wie in Babylon.
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06. März 2013
6. März 2013 13:01 -. Alles wird besser, nur das Wetter
wird schlechter. Aber keine Sorge, das ist keine Beschwerde. Heute ist Sonne gegen alle Voraussagen. Zwei Tage regnete es in Strömen, knatterte auf das Dach und in mein Gehirn und nährte die
Vermutung, wir seien in der Natur. Gefühlte 24 Grad im Sonnenschein, 18 sagt das Thermometer.
M: Gestern wollten unsere Nachbarn abreisen, aber ihr WoMo sprang nicht an. Sofort kamen die hilfsbereiten Männer von drumherum und beratschlagten, prüften, holten Kabel, bastelten,
diskutierten: auf Deutsch, Holländisch, Englisch, Französisch und Italienisch. Klang nett und alle waren sich einig, nur das WoMo sprang nicht an. Heute brachte ein Spanisch sprechender Monteur
eine neue Batterie und es klappte.
Dienstags und Donnerstags ist immer England im Restaurant: es wird stundenlang Bingo gespielt, dazu gibt es eine Pint für 1,20 und danach essen alle Fish and Chips, panierten Fisch und
Fritten, eins der Leibgerichte unserer englischen Freunde. Ja, fast so wie zu Hause, nur wärmer.
R: Hugo Chavez ist tot. Er war widersprüchlich, ein Caudillo, ja - aber: Ein großes ?Aber? muss da kommen. In seiner Amtszeit hat sich der Anteil der Armen von der Hälfte der Bevölkerung auf
unter 1/3 reduziert. Zum 1. Mal in der Geschichte Venezuelas ist der Reichtum aus dem Öl nicht der Oberschicht zugeflossen sondern Sozialprogrammen und Schulen. Über 300 Milliarden US $ sind seit
1999 in diese Programme gesteckt worden. Man muss ihm den historischen Verdienst attestieren, nach den neoliberalen neunziger Jahren die Themen Armut, ungerechte Verteilung des Reichtums und
Ausbeutung nationaler Ressourcen durch multinationale Unternehmen auf die politische Tagesordnung gesetzt zu haben. Nicht nur auf Symposien sondern auch praktisch im eigenen Land. Dass die
nationalen Eliten gegen ihn waren, ist kein Wunder. Er hat diese Mischpoke, die über Dekaden das Land ausgesaugt und die Macht unter sich aufgeteilt haben (ja, ja, auch die Sozialdemokraten, ich
kann mich noch gut daran erinnern, die Stiftung musste Perez unterstützen, dabei war der nicht anders korrupt und unsozial als all seine christsozialen Vorgänger), er hat diese Clique entmachtet
und ihnen die Futtertöpfe weg genommen. Und er hat der Linken in Lateinamerika ein neues Selbstbewusstsein gegeben und die Wahlsiege von Evo Morales in Bolivien und Rafael Correa in Ecuador erst
ermöglicht. Ohne ihn wären Kuba und Nicaragua wahrscheinlich längst pleite.
Ja ja, es gibt so viel Negatives zu sagen über ihn, aber heute will ich das Positive herausstreichen. Den Rest kann man überall lesen.
Die ganze Zeit meckere ich über die Billigmanie, dass wer billig haben will nicht gleichzeitig Qualität erwarten darf und dann das. Die ?Stiftung Warentest? hat Zahnpasta getestet. Und was kommt
raus? Die billigste ist die Beste. Es ist ?Dentalux Komplex? von Lidl für 39 Cent. Sieh mal hier: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zahnpasta-im-test-stiftung-warentest-lobt-guenstige-kariesprophylaxe-a-884505.html
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3. März 2013 12:49 -. 15 Grad, bewölkt, manchmal Sonne. Ganz angenehm
Zwei Tage hat das Tief über Spanien gewütet. In Strömen hat es geregnet, dass man sein eigenes Wort im WoMo nicht verstehen konnte. 100 Km von uns entfernt, im Landesinneren, hat es 2 Tage lang
durchgehend geschneit, der Verkehr kam zum Stillstand, die Lastwagen hingen fest, Schulen fielen aus, Strom auch, eine Katastrophe für ein Land, das auf Schnee nicht eingerichtet ist. Es war die
Nachricht der Tage, alle Kanäle waren voll davon. Das Meer ist aufgewühlt, schlägt in hohen Wellen ans Ufer. Wellenreiter in Neopremanzügen versuchen ihr Glück im kalten Nass.
Seit gestern ist das Tief weiter gezogen, Richtung Kanaren sagen sie, die nächste Regenwand aber ist im Anmarsch. Mal sehn, vielleicht haben sie sich ja
getäuscht.
Clowns hat er sie genannt, unser aller geliebter Kanzlerkandidat mit seiner Wildwestmanie, blitzschnell und ohne zu denken mit Worten um sich zu schießen. Zuerst hab ich ihm zugestimmt, ah ja,
endlich einer, des es wagt, die Sache beim Wort zu nennen. Im Gegensatz zu den Eiertänzen der politisch Korrekten in ihrem Wahn, niemanden auf die Füße treten zu dürfen. Aber dann kam eine
Überlegung zurück. Bei mir. Was sind denn Clowns? Es sind Menschen mit der Kunstfertigkeit, andere Menschen zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken zu bringen.
Genau das kann man von beiden nur bedingt behaupten. Gut, Grillo will zum Nachdenken anregen über eine gescheiterte Politikerkaste, deren oberstes Ziel die Selbstbereicherung zu sein scheint.
Doch das reicht nicht, um Clown zu sein. Vielleicht Komiker. Aber komisch ist er nicht, mit seinem Geschrei erinnert er mich eher an einen Demagogen. Und das ist der zweite Gewinner der letzten
italienischen Wahl in jedem Fall. Ein Menschenfänger mit allen Mitteln. Mit Geld, Versprechungen, Sex, Informationsverbiegungen, Ausnutzung seiner monopolistischen Medienmacht. Aber ein Clown?
Nein, der nicht. Das wäre zu viel der Ehre für den ehrenwerten Cavaliere, der der Mafia näher steht als der Demokratie, ja sogar die ehrenwerte Gesellschaft gesellschaftsfähig gemacht
hat!
Leo Luca Orlando, Bürgermeister von Palermo: ?Nach den Jahren des sog. ?Frühlings von Palermo? (das war nach 1992, als sich alle empörten über die Morde an Falcone und andere Richter RE) hat
unser Land einen kulturellen Wandel durchgemacht. Silvio Berlusconi hatte die verheerende Gabe, die Laster, die bis 1992 die politische Klasse Italiens charakterisierten, in eine Volkskultur zu
verwandeln. Früher gab es korrupte Politiker. Im heutigen Italien ist Korruption System. Früher gab es Interessenkonflikte, heute sind sie alltäglich. Die Folge ist, dass die Mafia auf nationaler
Ebene nicht mehr kulturell isoliert ist. Ihr Wirkungskreis bleibt nicht auf Süditalien beschränkt. Die Mafia ist heute Teil der italienischen Gesellschaft...die Einen und die Anderen huldigen
einem einzigen Gott: dem Reichtum.?
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28. Februar 2013 11:36 -. Regen, Regen, Regen
Er donnert aufs Dach, die Musik ist kaum zu hören. Unaufhörlich, wie mit Nadelstichen, wenn ich den Fehler mache, genau hin zu hören. Gefangen im Käfig aus Metall und Plastik. Der Campingplatz
ist leergefegt, nur vereinzelt sieht man unter Regenschirmen geduckte Gestalten zu dringend benötigten Plätzen eilen.
Alle Bücher ausgelesen, Darwins Garten ist noch übrig, aber das ist ein Arbeitsbuch, kommt wieder dran nach Michelangelo. Bis Rom will ich alle Beschreibungen über Werden und Entstehen seiner
Kunstwerke aus dem Buch extrahiert haben (wir planen Ende April zusammen mit Schwester Hanne und Schwager Jörg unseren gemeinsamen 31. Hochzeitstag in der ewigen Stadt mit den ewigen
Besichtigungsmöglichkeiten zu verbringen). M ihr schönstes Spielzeug zu nehmen fällt mir schwer. Auf dem iPad sind noch einige ebooks, doch M spielt, liest, emailt, internetet so intensiv und
glücklich, dass ich nicht wage, mich mit eigenem Begehren dazwischen zu mogeln. So habe ich nochmals meine Büchertasche durchgekramt. Und siehe da, ganz unten ein Pocket-Buch(Pocket Bücher sind
so klein, sie passen ungeöffnet in eine Hand oder in die Tasche). Ich habe ?John Irving: Deutschlandreise? gefunden. (Da es so klein ist, auch wieder in 1 Std. ausgelesen).
Irving überrascht mich immer wieder. Er erzählt von seinen Treffen mit Günter Grass (er ist mit ihm befreundet, wer hätte das gedacht), von seiner zufälligen Begegnung mit Elisabeth Mann-Borghese
im Flugzeug (diese großartige Meeresbiologin und Tochter von Thomas Mann hatte Hunde, die konnten Klavier spielen und Schreibmaschine schreiben), mit deutschen Journalisten und Verlegern (nicht
so recht nett), er erzählt, warum Owen Meany und Oskar Mazerath dieselben Anfangsbuchstaben haben (seit er die Blechtrommel 1963 gelesen hatte, wollte er komisch und zornig sein). Und warum er
Marcel Reich-Ranicki für typisch deutsch hält und ihn (?einen selbstgerechten, autoritären, aber umjubelten Kritiker?) nicht ab kann. Er - Irving - war am 3. Oktober 1990 in Deutschland, hat die
umjubelte Wiedervereinigung miterlebt und auch die Hatz auf Grass, dem er zustimmte, dass alle politischen Prozesse der Vereinigung langsam gehen müssten. Danach haben sie ihn - Grass - fertig
gemacht, diese selbsternannten Moralapostel, vorneweg R-R (mir gefällt es, wie er diese Mischpoke der möchte-gerne und doch nicht gewordenen Schreiberlinge abwatscht, die sich anmaßen, über Werke
außerhalb ihrer Reichweite zu urteilen und ihren Frust abreagieren. Keine Ahnung, wieso solch ein wutentbrannter Giftzwerg wie Reich-Ranicki solch einen Einfluss auf die Literaturszene haben
konnte. Irving sagt, in den USA sei das undenkbar und vermutet Autoritätsdenken bei den Deutschen.)
Ach wie kann der Mann erzählen!
PS: Irving hat Grass in NY einmal vorgestellt: ? Hier ist meiner Meinung nach einer der wirklich Großen der Weltliteratur des 20 Jhdts.? Doch der Prophet gilt im eigenen Lande wenig. Was hat wohl
Irving zu der Hatz gegen Grass gesagt, als der es wagte, in einem Gedicht Wahrheiten über Israel zu erwähnen? Typisch Deutsch, stell ich mir vor, könnt Irving gesagt habe. Sie - die Deutschen -
wollen die Wahrheit, aber doch nicht so.
(natürlich kann er das iPad jetzt haben, ich gehe in die Bibliothek hier auf dem Platz und hol mir was zu lesen.M.)
Urlaube&Radtouren |
27. Februar 2013
27.2.2013; 16:40
Schlechtes Wetter - sagt der Wetterbericht. Würd ich gerne sehen, sagen wir. Die wissen gar nicht, was schlechtes Wetter ist.
Hommertshausen, sagt der Wetterbericht Minus 2 Grad, bedeckt (mitten am Nachmittag). Benicasim 10 Grad, Sonne. In der Sonne gefühlte 18 Grad. Na, geht doch.
Ab morgen solls regnen. Wollen wir doch mal sehn.
Und wer gewinnt heute Abend? Notfalls Deutschland.
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26. Februar 2013 17:42 -. 11 Grad war es heute und sonnig, der Wind noch immer scharf und kalt. Regnen soll es demnächst
Im Windschatten vor dem WoMo lässt es sich aushalten, wenn die Sonne scheint. Wir sitzen davor , lesen, beobachten Leben und Treiben der Mitcamper. Die meisten haben zu tun den ganzen Vormittag
lang. Und wenn Männer nichts zu tun haben, suchen sie sich was. Scheiben reinigen. Mit Sprühmittel und Geschirrtuch. Obwohl das Auto blitzblank ist. Wir beobachten gerne. Alle sind nett
zueinander, lächeln sich an, reden kurz oder lang, es geht ruhig zu. Gemütlich.
Da sitzen wir, M isst ein Orange, ich lese, die Sonne scheint uns ins Gesicht, da kommt der freundliche Engländer von gegenüber vorbei, sieht uns, strahlt über das ganze Gesicht und ruft: ?That`s
live, isn`t it??
Nach 1 Tag Medikamente einnehmen geht es uns schon wieder besser. M hat keinerlei Beschwerden am Bein und ich keinen Husten. That`s live.
Sie treibt mich um, diese Wahl in Italien. Ich will ja schließlich noch mal ruhigen Gewissens hin. Was passiert da? Der Spiegel schreibt in
http://www.spiegel.de/politik/ausland/italiens-wahlsieger-grillo-a-885694.html: ?Eine unfähige politische Führung reißt das Land seit Jahren immer weiter runter. Das staatliche Schulsystem ist
schlecht, genauso wie die Universitäten und das Gesundheitswesen. Die meisten Staatsbetriebe sind marode. Antike Welterbe-Stätten zerbröseln, Pompeji zum Beispiel. Und überall bereichern sich
Mitglieder der politischen Kaste, schieben ihren Spezis Jobs und überteuerte Aufträge zu. Jeden Tag beinahe fliegt ein Millionendeal auf, ab und zu geht einer in den Knast, aber das System bleibt
unberührt. Es ändert sich nichts - wenn sich nicht alles ändert.? Und dagegen rebellieren viele und folgen einem Komiker. Das kann ich verstehen. Und was ist mit dem anderen Komiker? Wer wählt
den, der Italien abgewirtschaftet und in eine komische Oper mit schönen Damen verwandelt hat? Schließlich hat er nochmals 30% der Wähler hinter sich gebracht. Reiche natürlich wählen ihn. Er hat
ihnen Ablass versprochen für alle steuerliche Verfehlungen. Ihm natürlich gleich mit. 80 Mio. Werbesendungen hat er verschickt mit dem Versprechen, die Eigentumssteuer auf Wohnraum zu erlassen.
Wenn nötig, aus eigener Tasche. 80% aller Italiener sind Immobilieneigentümer. Wer will da nicht gerne an Berlusconis Geldsegen glauben? Und er hat allen Italienern - auch und gerade den Armen -
ein besseres Leben unter seiner Regie vorausgesagt . Denn den unteren Schichten geht es noch schlechter nach dem Sparkurs von Monti, der sie ungewollt in Berlusconis Arme treibt - und selbst
verliert. Ach ja, und da ist noch ihre Wut auf Europa und diese ganzen rigiden Zwänge, die nur Deutschland und einigen Nordländer geholfen haben. Verlierer sind sie, die Südländer. So
sehen sie sich, gemeinsam mit Griechenland, Spanien und Portugal. Nun hoffen sie auf ein Wunder, und Wunder versprechen kann der ?Cavalieri?.
Ach, was ein Durcheinander. Aber ein wenig kann ich sie verstehen, diese Italiener. Kann sein, dass sie besonders komische Opern lieben.
Urlaube&Radtouren |



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