Reiseberichte zum Thema 'Von einem der auszog: Afrika'

Trommler
Da war sie wieder, diese Musik in der Nacht. Die treibenden Trommeln scheinen den Rhythmus immer schneller zu jagen, gestützt von einer Pauke die zwischen die Wirbel schlägt. Darüber jault die Cuica, die Reibetrommel, bei der ein im Fell des Tamburin eingebettetes Bambusstäbchen mit einem feuchten Tuch gerieben wird, dieses außergewöhnliche brasilianische Instrument, das Töne wie ein geplagter Esel von sich gibt. Es regt auf uns soll ja wohl. Jetzt noch der helle Klang der Kuhglocken an einem gebogenen Stahldraht dazu, mit einem Stock geschlagen, ebenfalls dazwischen, nicht im Takt und doch den Rhythmus stärkend. Infernalisch. Südtour 1 nach Tunduru NgomaIch stell mir nackte, schwitzende Oberkörper vor, über ausgehöhlte Baumstämme gebeugt, die ganze Nacht durchtrommelnd, eine Masse stampfender ekstatischer Tänzer antreibend. Und merke auf einmal, dass es vom Band sein muss. Die Musik kenne ich. Aus Brasilien.

Aber täuschen tu ich mich öfters hier. Wo ich Afrika drin erträume ist es noch nicht mal drauf. Neulich, als ich schrieb, dass sie Donnerstag schon beginnen mit der dröhnenden Musik, da war es Karneval. Wir haben es eine Woche später festgestellt als sie ihn beerdigten. Den Karneval. Drei Wochen später als auf dem Kalender. Sie hatten erst angefangen als in Köln die Bürgersteige gekehrt und die Sachen eingepackt wurden.

 

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Bischof Maguengue- Ein Pfarrer kommt in den Himmel, in die Holzklasse. Da sieht er einen Busfahrer, den er von früher kennt in der 1. Klasse. Er geht zu Gott und beschwert sich: ?Dieser Fahrer ist gefahren wie ein Henker und hat einen schweren Unfall verursacht. Warum ist der in der 1. Klasse und ich als Pfarrer in der Holzklasse?? Da sagt der liebe Gott: ?Weil bei dir die Leute immer geschlafen haben, aber bei dem haben sie alle gebetet!?

- Eine reiche Christin möchte gerne ihren Hund taufen lassen, damit er mit ihr zusammen in den Himmel komme. Der Pastor lehnt empört ab, aber sie lässt nicht locker. ?Wenn du meinen Hund taufst, zahle ich, was du willst!? Aber der Pastor spricht von Blasphemie und weigert sich. Seine Kirche ist schon sehr alt und es regnet überall rein, doch er hat kein Geld für die Renovierung. Da bietet die Dame an: ?Wenn du meinen Hund taufst, lasse ich deine Kirche vollständig renovieren.? Schließlich stimmt er zu, unter der Bedingung, dass sie es niemandem erzählt. Der Hund wird auf den Namen Rex getauft, sie lässt die Kirche in Ordnung bringen, aber sie freut sich so, dass sie jedem erzählt, dass ihr Hund jetzt ein Christ ist. Irgendwann kommt das auch dem Bischof zu Ohren und er lässt den Pastor kommen. ?Stimmt das, was ich da gehört habe, du hast einen Hund getauft?? Der Pastor sagt schuldbewusst: ?Ja, das stimmt, aber es war aus lauter Not. Sie hat mir dafür meine Kirche völlig neu renovieren lassen.? Der Bischof wiegt bedenklich seinen Kopf. Schließlich sagt er: ?Ich vergebe dir, mein Sohn, aber die Kommunion übernehme ich!?

- Eine Frau muss auf dem Heimweg von der Arbeit immer über einen Friedhof. Sie hat Angst, wenn es dunkel ist und wartet immer, bis jemand kommt, der sie begleitet. Eines Abends steht sie an der Pforte zum Friedhof und wartet. Schließlich kommt eine Person und sie schließt sich erleichtert an. Sie sagt: ?Ach, ich bin ja so froh, dass Sie gekommen sind, ich habe nämlich immer solche Angst, alleine über den Friedhof zu gehen!? Da sagt der Andere: ?Ja, das kann ich gut verstehen. Ich hatte auch immer Angst, als ich noch gelebt habe!?

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Endlich
M:
Am Samstag Abend waren wir nach dem Essen in einem einfachen Strandlokal bei uns am Hotel mit unseren Freunden, als endlich die heiß erwartete SMS aus New York ankam, dass eine 3500 g schwere und gesunde und natürlich wunderhübsche Enkeltochter das Licht der Welt erblickt hatte. Eine Flasche Wein wurde entkorkt, dann erfuhr der Hotelmanager, was wir feierten und spendierte auch eine Flasche und R. natürlich auch. Es war ein schöner Abend, auch wenn er so besch..... angefangen hatte mit diesem blöden Verläufer, der uns bedrohte. Wir brauchten am Sonntag Morgen jeder eine Aspirin und viel Kaffee!

Reinhold .JPGSprachprobleme
Cuba Libre wollte ich. Haben wir nicht. Wie das? Coca Cola ist doch da. Ja. Und Limone und Eis? Ja. Und Rum. Was? Ron. Nein....Jetzt geht das schon wieder los. Beide erinnern wir stande pede die verrückte Situation in Guayaquil beim Frühstück. Kommt der Ober: Kaffee? Nein, ich möchte Te. Hä? TTTEEE. Schulterzucken. Dee? Tééé? Schulterzucken. Ich nehme Anlauf. Heute morgen möchte ich keinen Kaffee sondern.... Der starrt mich immer blöder an. Gibt es nicht. Bis ich Tee auf einem anderen Tisch sehe. Ach das, und er sagt etwas ähnlich kryptischPraia do Wimbe - 41es wie: ð?. War hier schon wieder so? Ich probiere es auf brasilianisch mit hhumm (hatte uns auch einiges gekostet rauszukriegen, dass das Rum sein sollte). Hum? Schulterzucken. Er stand da hinten, der Rum. Ich hatte ihn gesehen. Also spanisch: rrrrron. Irritiertes Schauen. Ich gebe auf und male mit dem Finger RON auf den Tisch. Ach, sagt der Witzbold: Rum! Wie auf deutsch, nur mit einem näselnden u.
M: und aus lauter Schüchternheit trinkt er jetzt immer Gin Tonic!

Praia do Wimbe - 32

 

 

 

 

Hunger
Urlaub. Sonne. Indischer Ozean flach wie ein Brett und in allen türkis-blau-violett-schwarzen Tönen schimmernd. Darauf kleine Boote wie Farbtupfer, Männer fischen. Wir laufen. Dann kommt ein kleiner Mann und läuft neben mir her. Er hätte Hunger und ich soll ihm was abkaufen. Unsicherheit und Unwilligkeit durchlaufen mich. Siehst du nicht, dass ich Sport mache? Er kommt hinter uns her an unser Häuschen. Keine Touristen sagt er, seit gestern nicht gegessen. Er ist schon alt. Ich gebe ihm was.


M:
Nun haben wir noch zwei Arbeitswochen und ein verlängertes Wochenende am Strand vor uns, dann ist es in Deutschland warm genug und wir können wieder nach Hause aufbrechen

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Gegen Mittag am Strand in der Sonne zu liegen ist wie in einer Bratpfanne. Nur nicht den heißen Sand berühren! Und wenn dann die Sonne so richtig loslegt, habe ich ein Gefühl, als ob von oben einer mit einem Riesenbügeleisen kommt. Bei wolkenlosem Himmel halte ich es nicht länger als 10 Minuten aus, aber es ist ja Regenzeit und meist etwas bewölkt. Da merkt man erst spät, wenn man verbrennt.

Praia do Wimbe - 13Am vergangenen Wochenende hatte es sehr gestürmt und das Meer hatte jede Menge Seeweizen und Algen an den StrandPraia do Wimbe - 25 gespült, bunt akzentuiert von rostigen Blechdosen, kaputten Plastikeimern und -tüten und Sonnenöltuben. Es gib
Praia do Wimbe - 24t mehrere Mannschaften, meist Gruppen von 4 jungen Männern, die diese unschönen stinkenden Reste am Strand eingraben, damit er wieder wunderbar weiß erstrahlt. ?Unsere? jungen Männer an ?unserem Strand? aber legen ein solches ?Tempo? vor, dass ich meinen Augen nicht traue. Man sieht nach einer Woche kaum eine Veränderung Sie haben heute ein einziges Loch gemacht und dort was vergraben. Von sieben Uhr morgens an bis mittags um zwölf. Dabei aber viel geplaudert, den Mädchen nach geguckt und im Schatten auf das Vorrücken des Uhrzeigers gewartet. Ich glaube, hier sollte man keine Stundenlöhne zahlen sondern Festpreise für getane Dienste.

Ein Pater hat es uns mal erklärt: während der Kolonialzeit hat man so wenig wie möglich gearbeitet und sich gedrückt, wo es ging. Während des ?Kommunismus? hat man es genauso gemacht, den Arbeitgeber sabotiert und wenig getan. Das gehörte zum guten Ton. Und das ist jetzt so drin. Die Leute, die für sich selbst und ihr kleines Geschäft sorgen, geben sich Mühe und arbeiten wirklich, die anderen machen es wie früher und verlangen ständig Gehaltserhöhungen. (Bei einem Mindestlohn von 36,- Euro pro Monat).

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Praia do Wimbe - 20Am Strand haben wir R.s Kollegen von der Konrad-Adenauer-Stiftung und seine Frau getroffen. Wir haben einige Gemeinsamkeiten. So alt wie wir und seit 40 Jahren verheiratet waren sie auch in Ecuador, lange in Kenia und nun in Maputo. Sie sind sehr sympathisch, auch wenn wir politische Themen weiträumig umgehen müssen. Am Freitag Abend haben sie uns zu einem Edelitaliener weiter oben am Strand mitgenommen. Wir kommen da normalerweise nicht hin, weil es zu weit zum Laufen ist. Nach der langen Zeit beim Bischof und in einfachsten Verhältnissen kam uns das Ambiente und das Essen und das Drumherum affektiert, überborden vor. Und so viel stehen lassen zu müssen, weil alles überdimensioniert ist (natürlich auch der Preis), das widerstrebte uns sehr. Sybill, die Frau von Ingo, hatte dauernd ihr Handy auf dem Tisch liegen und war immer in Bereitschaft. An dem oder dem nächsten Tag sollte ihr erstes Enkelkind in New York geboren werden, und den Anruf wollten sie naturgemäß nicht versäumen. Wir saßen noch lange, aber es tat sich nichts, drüben auf der anderen Seite des großen Teiches.

Am Samstag waren wir mit den beiden an der Katholischen Universität, wo er ein Gespräch mit dem Vize-Rektor, einem Österreicher hatte. Ich habe ja keine Vorurteile, aber die Sch....-Österreicher! Er liegt im Clinch mit ?unserem? Bischof und macht jede Menge Schwierigkeiten, weil er die Universität von der Diözese geschenkt haben will! Na glaubste denn!

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Geburtstag am Strand
Hannelie hat ein Bild geschickt. Ein iPod mit meinem Namen drauf. Ja sagt M, dass ist dein Geburtstagsgeschenk von mir. Freue mich wie ein Schneekönig. Technisch wunderschöne Sachen liebe ich sehr. Dann gab es einen Blumenstrauß selbst gepflückte von M (ich hatte gar nicht mitgekriegt, dass am Strand Blumen wachsen und was für schöne!) und einen Kuchen den man mit dem Löffel essen muss gab es auch noch. Er heißt Schoko in Schokolade. Um den war ich schon mehrmals rum geschlichen beim Inder. Und eine Tasse Kaffee gab es. Frisch aus der Küche. Den hat M über 100e Meter Steg bei Wind und Regen in die Hütte transportiert. Ich hab sie gefragt, wie sie das gemacht hat, die volle Tasse bei dem wackeligen Steg und bei dem starken Regen bis ans Bett zu bringen. Sie wollte nicht raus mit der Sprache, ich hab ihr versprochen, nicht böse zu werde, da hat sie es verraten. Hinter der Küche hat sie einen tiefen Schluck genommen und vor der Hütte wieder zurückgespuckt. Ich hatte schon ausgetrunken als sie das erzählt hat. (M: hahaha. Jetzt schiebst du mir auch noch deine alten Witze unter). Viele Emails gabs, sogar von Leuten, von denen ich es nie erwartet hätte. Und einen ganz langen Brief von zu Hause! Ach wie schön. Ich kann nicht antworten, die Internetleitung ist hier so langsam, dass mir die Verbindung im Bischofs Haus schnell vorkommt. Wie muss das erst sein, wenn wir wieder in D sind? Wutsch und die Emails sind futsch. Hier kann man ruhig zwischen Empfang und Senden mal Mittagessen gehen. Um dann begrüßt zu werden: Server antwortet nicht mehr.

Den kirchlichen Hochzeitstag einen Tag später zu feiern gelang nicht mehr. Sind dem Alkohol etwas entwöhnt und abends um zehn Uhr müde.

M hat zum Hochzeitstag Geschmeide bekommen, arabisch ziselierten Silberschmuck, der auf ihrer braunen Haut sehr edel aussieht. Wird sich zeigen,, wie er auf winterlich-blasser Haut wirkt.

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26.3. R. hat sich gestern zwei Zähne ausgebrochen. Und meine eine Gesichtshälfte ist seit einigen Tagen sehr empfindlich ? ich weiß nicht, ob es von den Zähnen kommt oder was Anderes ist

31.3. Alles halb so schlimm: die ausgebrochenen Zähne von R waren von einer Brücke. Es sieht etwas dekadent aus, wenn er mit der Zunge beim Sprechen durch das Loch stößt, aber es tut nicht weh. Und bei mir hat es sich herauskristallisiert, dass es wohl eine Entzündung im Ohr ist und ich nehme Tropfen.


Am Freitag war ich beim Arzt (einem Kubaner) wegen einer Schwellung unter meinem linken Auge, die ich schon seit 6 Wochen habe, die aber langsam immer schlimmer wurde. (Eine Allergie auf einen Insektenstich, die durch die tägliche Ibuprofen-Einnahme hinausgeschoben wurde). Ich erzähle das wegen des mosambikanischen Abrechnungssystems beim privaten Arzt. Wenn du einen Termin haben willst, musst du sagen, um wie viel Uhr, danach richtet sich der Preis. Morgens früh ist es am billigsten, nachmittags steigt der Preis alle zwei Stunden und ist ab 19 Uhr am teuersten. Du musst gleich am Anfang bezahlen. Wenn du eine Blutuntersuchung brauchst, musst du auch zuerst zur Kasse, mit der Quittung gehst du ins Labor und sie zapfen Blut ab. Für jede andere erforderliche Leistung musst du jedes Mal erst zur Kasse, bezahlen und dann wird behandelt.

Nach 4 ½ Std bezahlen und Behandlung sind wir zu unserem letzten verlängerten Wochenende an den Strand gefahren. Die Regenzeit scheint vorbei. Es hat seit zwei Wochen nicht mehr geregnet und der Himmel ist strahlend blau. Auch hat es ein wenig abgekühlt (ca. 28-30 Grad), was wesentlich angenehmer ist. Praia do Wimbe - 21

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24.3. Zur Nachfeier von Rs Geburtstag und unseren Hochzeitstag haben wir Sekt gekauft, dem Koch Geld für 5 Pfund Krabben gegeben und Pater Aristides hat eine Torte bei seinen Nonnen bestellt. Es fing schon mittags an: R. erzählte dem Bischof, dass seine Schwester Geburtstag und letzten Woche gemeinsam mit uns Hochzeitstag gehabt hätte, da ließ Dom Ernesto eine Flasche Sekt kommen (eine Flasche Wein stand schon auf dem Tisch, wo wir doch normalerweise nur Wasser trinken). Geburtstagstoast-auf-Hanneli.jpgWir sollten auch ein Foto machen, das beweist, dass man im tiefen Afrika auf Hanneli angestoßen habe.
Den ganzen Nachmittags waren zwei tansanische Schwester draußen in der Küche (sie ist wirklich draußen) und es herrschte rege Betriebsamkeit. Ich hatte mich vorher im Garten mit Dom Ernesto eine Stunde über Erich Fromm und seine ?Kunst des Liebens? unterhalten. Zum Abendessen kamen unsere drei Latina-Nonnen mit umwerfend guter Laune, wie immer, aber diesmal steckten sie alle an. Die Verständnis- und Verhaltensprobleme in anderen Kulturen waren wieder ein Quell der Heiterkeit: der Bischof erzählte, wie übertrieben und fremd ihm anfangs die Begrüßungsriten in Italien vorgekommen seien (er hat dort studiert), das Umarmen, Schulterklopfen, Küssen. Als er sich damit angefreundet hatte, musste er nach England, wo man ihm schnell und sehr von oben herab bedeutet habe, doch bitte mit diesen
exaltierten Überschwänglichkeiten aufzuhören. Er kann das dann auch immer so schön vormachen, dass man sich vor Lachen biegt.
Beim Essen fehlten die Tansanierinnen. Dom Ernesto holte sie mit sanfter Gewalt aus der Küche. Sie wollten lieber draußen essen und kicherten vor Verlegenheit. Dabei sind sie schon ältere, gestandene Matronen. Projekt Diözese Pemba - FestEine Speisefolge vom allerfeinsten hatten sie hingezaubert: nach der Suppe kam Gemüsereis, Kartoffelgemüse, Spaghetti mit Krabbensoße, Bohnengemüse, Spinat, Fritten, frittierte Krabben und Kaninchenbraten ? ich weiß nicht, vielleicht habe ich auch noch was vergessen. Alles schmeckte einfach wundervoll. Dazu gab es Wein, Säfte, Sodas und zum Nachtisch brachte man neben dem Obstsalat unsere Torte und den Sekt. Aber zuerst bekamen wir Geschenke. Von Pater Joao eine sehr schöne Makonde-Schnitzerei einer Cocospalme (wie sollen wir die bloß nach Deutschland kriegen) und eine Batik, und von den lateinamerikanischen Schwestern ein mexikanisches Holzkästchen. Wir konnten gar nichts mehr sagen vor lauter Rührung (hier kriegt sonst nie jemand Geschenke zum Geburtstag). Alle waren so lieb. Und R ist einfach umwerfend: der Bischof macht sich manchmal gerne über die Tansanierinnen lustig, weil sie immer noch kaum Portugiesisch sprechen. Er forderte die eine auf, eine kurze Geburtstagsrede zu halten und sie war so verlegen und stammelte ?Parabens? (Herzlichen Glückwunsch), und alle sahen sie an und warteten, ob noch was käme. Da ging R schnell zu ihr und nahm sie in den Arm und dankte ihr für die schöne Rede.
Mit wem wir auch sprachen, wem wir auch in die Augen blickten, wir sahen nur Liebe und Güte. Sie mögen uns wirklich! Was für ein Abend! Ich muss dauernd daran denken, dass wir jetzt schon wieder einen Ort auf der Welt haben, wo wir liebe Freunde zurück lassen müssen

Jetzt steht die Ebenholz- Cocospalme auf meinem Schreibtisch und das Nashorn, das ich
R zum Hochzeitstag geschenkt hatte, steht darunter im Schatten ? wie im richtigen Leben!
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20.3. Ich habe wirklich rein gar nichts mehr zum Lesen. Habe den Hirtenbrief des Bischofs (66 Seiten) durchstudiert und was sonst noch so rum liegt (alles fromme Sachen) und jetzt zeichne ich meinen Sudoku-Block ab und mache die Aufgaben, die ich beim ersten Mal falsch hatte noch mal. Aber auch das ist ausgelutscht. Der Radiosender, der einzige, der reinkommt, spielt nur ?Radio sem fronteiras? eine Sendung der Diözese, wann wieder Gottesdienst ist und wie die katholische Kirche über Aids denkt.

M in der KircheDie Ostermesse war überaus kurzweilig und sportlich: aufstehen, beten, singen, klatschen, hinsetzen, singen, knien, beten, aufstehen, klatschen, singen, hinsetzen.....Kirche.jpg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

24.3. Wir haben jetzt Formulare für Projektanträge in Englisch und Portugiesisch entworfen und gedruckt. Da kann sich jeder bedienen und sein Kleinprojekt so darstellen, wie es am besten ankommt und die größten Chancen hat, irgendwo Gnade zu finden und finanziert zu werden. Besonders die Schwestern von allen möglichen Kongregationen denken sich ständig irgendwas aus (Kleintierhaltung, Gemüseanbau, Schneiderinnenkooperative, Gesundheitsposten...). Da ist es gut, wenn wir das nicht immer wieder neu formulieren müssen. Und es bleibt was, wenn wir weg sind.
Ab heute kommt eine der Schwestern zu mir zum Computerkurs. Damit sie die Anträge selbst bearbeiten kann. Ich bin gespannt auf meine neue Schülerin. Sie ist aus Tansania, spricht kein Portugiesisch und wenig Englisch, dafür aber Kiswahili, Makua und Makonde!
Später: Schwester Calista Mallinza war nicht da, aber ihre Kollegin rief mir fröhlich entgegen: ?Atakuja kesho!? (Sie kommt morgen!)

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Wie der Bischof seine Kirchengemeinde auf der Insel Ibo besuchte.
Die anderen hatten ihm gesagt, sein Vorgänger sei immer geflogen, aber Dom Ernesto gedachte, die 250 Dollar zu sparen und fuhr mit dem Boot (ca. 2 Std.) Er überlegte noch, ob er gleich seine Soutane anziehen sollte, denn er wollte bei seinem ersten Besuch würdevoll auftreten. Aber schließlich packte er sie ein und fuhr in der schwarzen Hose. Auf der Insel gibt es keinen Anlegesteg für Boote. Sie ankern weiter draußen, da wo sie können, ohne den Motor zu beschädigen. Dann zieht man Schuhe und Strümpfe aus, krempelt die Hosenbeine hoch und watet, das Gepäck auf der Schulter durchs Wasser. Manchmal reichen die Wellen auch bis zur Taille. Die Schäfchen seiner Gemeinde standen alle zum Empfang des heiligen Mannes am Strand. Er winkte seinem Priester zu, sie mit in die Kirche zu nehmen und dort auf ihn zu warten, aber die wollten nicht. Sie sangen und klatschten, als das Kirchenoberhaupt angstvoll durch die Wellen schwankte, denn er kann nicht schwimmen. So kam er an mit hochgekrempelten nassen Hosen, zog Strümpfe und Schuhe über die nassen sandigen Füße und warf sich am Strand seine Soutane über. Die Hose trocknete am Körper, ziemlich schnell, hatte aber weiße Salzränder. Es machte nicht viel aus, da es auch noch zu regnen anfing. Zur selben Zeit fand ein anderes wichtigeres Fest auf der Insel statt, an dem er teilnehmen wollte. Als er im strömenden Regen am Festplatz ankam, war niemand da. Erst lange Zeit später erschienen etwa 20 Gläubige in der Kirche. Seitdem war er nicht mehr auf der Insel.

(Bild: Bischof Maguenge mit seinen Schäfchen in der Kathedrale)
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Wir wollen am 15.3. für eine ganze Woche an den Strand, Reinholds Geburtstag und unseren Hochzeitstag feiern, wir haben uns Urlaub genommen bis Ostersonntag.

Ich habe noch nie in meinem Leben so geschwitzt wie hier, kaltes Duschen hilft auch nicht richtig, ich trockne mich nicht ab und nach kurzer Zeit weiß ich nicht, ist die Nässe auf mir jetzt noch Wasser oder schon wieder Schweiß. Anbei ein Fotos von mir beim Schwitzen und Backgammon Spielen auf Rs. Bett von gestern Abend.
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(PS: Das Bild ist nicht von den Pastorellas)

M-mit-Bischof-unterwegs---17.jpgUnd dann waren wir bei den ?Pastorellas?, 5 Schwestern einer italienischen Kongregation, die uns eingeladen hatten, ihr Projekt kennen zu lernen. Sie kümmern sich um Erziehung und Gesundheit und haben auch einen Buchladen, wo ich ein paar Bücher kaufen konnte. Auf dem Hof, bzw. in dem Garten des Anwesens im Schatten saßen und lagen ca. 80 Frauen mit Kindern, die darauf warteten, ein paar Nahrungsmittel zu bekommen, Reis, Bohnen, Öl, Salz. Sie haben alle Aids oder sind Aids-Waisen oder Aids-Großmütter, die sich um die Kinder ihrer verstorbenen Kinder kümmern. Alleinstehende Frauen und Mädchen. Schicksale, die auch dem am härtesten Gesottenen die Tränen in die Augen treiben: eine 14-jährige, deren Eltern und 5 Geschwister an Aids gestorben sind und die sich nun um die Waisenkinder ihrer Geschwister kümmert und selbst auch schon ein Kind hat. Sie hat Angst, einen Aidstest zu machen, weil sie die Anderen hat sterben sehen und nicht so sterben will. Ein niedliches Kindergesicht aber so elend und voller Trauer. Der Schwester, die seit 8 Jahren dort arbeitet, kommen die Tränen, wenn sie darüber spricht. Im letzten Monat sind 6 kleine Kinder an Aids gestorben.

Sie haben sehr gute Verbindungen zu Italien und Kontakte zu Spezialisten, die jedes Jahr in ihrem Urlaub her kommen, wenn sie gebraucht werden. Einer gibt Computerkurse, ein Architekt, ein Vermessungsingenieur, ein Elektriker, ein Installateur. Im Büro sieht es ordentlich aus, die Gemeinschaftsräume sind aufgeräumt, alles funktioniert.....und sie kochen italienisch! Was für liebe Menschen, was für eine nette, effiziente Gruppe! Und der Bischof ist dagegen weil sie ihn nicht um Erlaubnis fragen. Dabei arbeiteten sie schon seit 5 Jahren, als er kam.

Insgesamt betreuen sie 230 Aids-Familien und jetzt haben sie 845 Kinder in den Schulen angemeldet, sie mit Schuluniformen und Unterrichtsmaterial, sowie mit Personalausweisen versorgt. Nachmittags kommen ca. 300 Kinder zum Spielen und Hausaufgaben machen zu ihnen. Sie fangen jetzt mit Handarbeitskursen und Gemüseanbau an, damit die Frauen sich wenigstens teilweise selbst versorgen können. Beim Mittagessen heute war irgend so ein höherer Kirchenmann aus Portugal da und er und der Bischof unterhielten sich über Politik und gemeinsame Bekannte in der Kirchenhierarchie. Wir anderen, die beiden Pater und wir, hatten keinen Anteil an der Unterhaltung. Als das Essen vorbei war und sie immer noch redeten, kam ich mir vor wie früher als Kind, wenn die Großen redeten und ich nicht verstand, worum es ging und ich gerne aufstehen wollte aber sitzen bleiben musste, bis die Erwachsenen fertig waren.

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