Reiseberichte zum Thema 'Von+einem+der+auszog:+Afrika'

Ende II Maputo, den 12. April 2004
Es war ein Abenteuer in einer doppelt anderen Welt: Afrika im Hinterland von Mosambik und Kirchenherrschaft. Es war dreifach anders mit unserem Unvermögen, Situationen und Abläufe um uns herum einschätzen zu können. Das hat uns ständig verunsichert.

Wir haben viele Freunde gefunden in einem Kreis von Menschen, dem wir ansonsten nicht so nahe kommen (außer in Ecuador, da haben wir mit Salesianern zusammen gearbeitet, aber die waren Italiener und ziemlich ?normal?). Spaß hatten wir auch. Und ein anderes (Zusammen)Leben. Froh sind wir, es gemacht zu haben und froh, dass es vorbei ist.

Hommertshausen, wir kommen.

Das letzte Kompliment
Zum Abschluss hat der Bischof M noch ein schönes (afrikanisches) Kompliment gemacht. ?Maryann, du bist? sagte er mit Wohlwollen ?massiver geworden?.
M Abschied

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R&M mit Bischof Diözese PembaRelativierung oder: Ende gut. Alles noch nicht.
Das Abschlussgespräch mit dem Bischof war wie ein Dammbruch. Unsere Vorschläge zur Verwaltungsreform werden für gut erachtet und geprüft ob eine Realisierung möglich ist. Das Wandzeitungs-Organigramm soll demnächst der Vollversammlung der Padres vorgestellt und mit ihnen diskutiert werden. Das ist ein Erfolg. Wenn uns jemand fragt, wie es war, das hier haben wir in unseren Abschlussbericht geschrieben:

"Generelle Einschätzung:
Wir haben viel gelernt in einer fremden Umgebung (Bischofsitz) und einer fremden Kultur (?Hinterland? Cabo Delgado). Die Freundlichkeit des Bischofs uns gegenüber ist hervorzuheben. Ob und was wir erreicht haben ist abzuwarten. Kleinigkeiten können benannt werden, aber größer Änderungen brauchen gerade in Afrika ihre Zeit. Da, wo wir nichts erreicht haben, ja sogar auf Ablehnung stießen, ist nicht auszuschließen, dass wir zu viel des Guten wollten.

Änderungen in Organisationsstrukturen, neue Projekte schaffen oder bestehende verbessern, braucht Zeit. In Afrika besonders. Vorläufige Ergebnisse sind hier und da als kleine Änderungen sichtbar, der Rest ist Beobachten und Warten. Unsere aktuelle Einschätzung, dass der Bischof Verhaltens- und Organisationsstrukturen verändern wird, ist pessimistisch.

Eine Diözese im ?Hinterland? Afrikas hat ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten. Wir haben sicher nicht alle begriffen. Wirkungsgrad, Erfolg oder Misserfolg unserer Arbeit werden erst im Zeitverlauf sichtbar."
M ruht01.jpgR ruht

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Reform tut Not
Es war die wichtigste Konferenz mit dem Bischof. Über die notwendige Verwaltungsreform und wie er das Ganze managt und managen sollte. Mit einer PowerPoint Präsentation haben wir es geschafft, dass er eine Zeitlang nichts mehr gesagt, nur fasziniert auf die Vorführung gestarrt hat. Wir haben die Vision, dass er sich aus dem täglichen Klein-Klein herauszieht und nicht mehr Mädchen für alles spielt und sich für alles verantwortlich fühlt. Als Filter zwischen ihm und seinen Projekten braucht er einen Koordinator. Er muss sich konzentrieren auf die Zielsetzungen, die mittel- und langfristigen und ihre Kotrolle. Und natürlich auf seine pastoralen Aufgaben. Dann gewinnt er Abstand und die Würde, die er so gerne hätte. Sind unsere Aussagen angekommen?

R erklärt neues Organigramm - 8Die Wandzeitung mit dem Organigramm hat ihm imponiert. Nun ist er am Zug was zu tun. Ideen und Vorlagen sind da. Natürlich hat er es schwer, er kann bei seinen Patres nicht mit dem ökonomischen Hebel arbeiten, sie über finanzielle Anreize bewegen, ihren Hintern hoch zu kriegen. Sie sollen alles ohne weltliche Belohnung tun. Was sie nicht tun. Sie gehen hin und unterrichten in der Schule gegen schnöden Mammon. Das regt ihn auf.
Er hat gefragt, ob und wann wir wiederkommen um die angefangenen Sachen weiter zu machen. Wir haben ihm unsere Kondition genannt: generell ja aber unter der Bedingung, dass sich hier in den Projekten (und bei ihm) auch etwa
s tut in der Richtung, die wir angestoßen haben.

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Unsere-Nonnen.jpgWir beginnen schon mal mit dem Abschied. 8.4. M: Heute haben uns die drei Latina-Nonnen zum mexikanischen Essen eingeladen. Tortillas, Reis, Fisch, Bohnenmus, Salat, Avocadocreme und scharfe Soße, dazu Tequila ? es war köstlich. Morgen ist die Verabschiedung durch die tansanischen Schwestern und übermorgen kommt der Bischof zurück, und überübermorgen fliegen wir nach Maputo! Und dann kommt noch ein Wochenende mit Terminen und schön Ausgehen und am Montag um 17:35 sitzen wir im Flieger nach Lissabon.
Das wirds dann gewesen sein. Doch erst müssen wir noch die Ergebnisse vorstellen.

P.S. Noch eine afrikanische Weisheit: eine schwangere Frau sollte keine Eier essen ? sonst bekommen die Kinder eine Glatze! Warum? Ist doch logisch: hast du schon mal Eier mit Haaren gesehen?Reinhold-Projekt-Diozese-Pemba---Erfolg-.jpg

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Reinhold Projekt Diözese Pemba Misereor Projekt - 2(Auszüge aus unserem Abschlussbericht)
"Ergebnisse unserer Arbeit
Organisationsberatung Verwaltungsstrukturen
: Die (langen) Gespräche mit dem Bischof wurden mit partnerzentrierten Methoden geführt um eigene Einsichten in Probleme und Lösungen zu erhöhen. Zusätzliche eingesetzte  Instrumente: Arbeitspläne, Evaluierungsbericht, Protokoll, PowerPoint - Präsentation, Wandzeitung (Organigramm). 

Assistenz
; Übersetzungen, Briefentwürfe und Deutschunterricht für den Bischof (Grundwissen vorhanden; Ziel ist, Projektanträge und Kontakte mit Deutschen Gebern zu ermöglichen).


Misereor-Pro
Projekt Diözese Pemba Misereor Projekt - 6jekt ?Desenvolvimento Rural Sustentavel (Nachhaltige Ländliche Entwicklung)?:  Unsere Mitarbeit zur Verbesserung administrativer Abläufe wurde nur kurzzeitig akzeptiert. Obwohl ?Misereor? unsere Unterstützung begrüßte, wurde  eine weitere Tätigkeit von den Projektmitarbeitern nicht mehr nachgefragt.

Schreinerei
: Projektantrag für Rotativ-Fonds bei 12 Botschaften in Maputo ausgearbeitet und zugestellt; die Erweiterung der bisher auf Service ausgerichteten Schreinerei zu einem ?Zentrum für professionelle Ausbildung mit Produktion? ist konzipiert; Antrag für einen SES-Experten Schreiner gestellt (und bewilligt). Der Transport von Schreinerei-Maschinen die beim Bischof lagern ist bisher nicht geglückt (es sind gute Maschinen, sie lagern dort schon lange). Arbeitsplan zur Ausweitung der Produktion und Optimierung der Einnahmen erstellt.

Apotheke
: Wurde von uns evaluiert. Bei der Teilnahme an einer Betriebsversammlung an der Lösung von Arbeitszeitproblemen mitgewirkt. An der Verbesserung der Excel-Tabelle ?Lagerhaltung? mitgearbeitet (sie soll den Verwaltungsaufwand reduzieren und die Kontrolle der Verfallsdaten der Medikamente vereinfachen). Kosten/Nutzen Analyse zur Erhöhung der Einnahmen erstellt. Arbeitsplan zur Reduzierung der Kosten und Optimierung der Einnahmen erarbeitet. Excel-Kurs und Ausarbeitung von Programmen für den Buchhalter.

Schule
: Evaluierung der Bereiche Pädagogik, Verwaltung und bauliche und materielle Gegebenheiten der Einrichtung, Vorstellung eines Buchhaltungsprogramms für die Schule (wird noch per Hand auf Zetteln und Listen gemacht); Erstellung einer Analyse mit Vorschlägen zur effizienteren und konfliktärmern Arbeit. Arbeitsplan mit konkreten Schritten und Alternativen. Die fertig gestellte Powerpoint-Präsentation zu diesem Thema ist leider im Orkus des PC verschollen.

Weiterbildung
Erstellen von Musteranträgen für neue Projekte und Durchführung von Kursen am PC, um selbständig Projektanträge an internationale Organisationen schreiben zu können."


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Pemba - BischofshausEr ist weg.
Gähnende Leere hat sich im Bischofshaus breit gemacht seit er abgereist ist. Wie bei Dornröschen, als das ganze Schloss in den Schlaf fiel und die Rosen an den Fenstern hochrankten. Und wenn er dann wiederkommt, dann gibt er allen einen Kuss und dann kommt wieder Leben in die Bude.

Ich hab Heimweh. Wohin? Ich glaub, aus dem Unbekannten mal wieder zurück in vertraute Gefilde.
Wir arbeiten an unserem Abschlussbericht.

Auszüge aus dem Abschlussbericht
"Die Diözese des Bischofs umfasst das gesamte Gebiet von Cabo Delgado, der nördlichsten Provinz von Mosambik mit Grenzen zu Tansania und Malawi. Cabo Delgado ist die ärmste Provinz in Mosambik, bedingt durch kulturelle, ethnische Faktoren, seiner Ferne zur Hauptstadt und die Folgen des Kolonialkrieges, der hier begann und hauptsächlich ausgetragen wurde. Der 16 jährige Folgekrieg mit den ?Rebellen? der RENAMO brachte weitere Rückschläge.
Die Diözese beschäftigt 23 Priester, 18 davon in 16 Gemeinden als Seelsorger. Darüber hinaus arbeiten eine Reihe ausländischer ?Missionare? im Gebiet. Das sind Priester und Nonnen ausländischer Kongregationen, die in sozialen und kirchlichen Aufgaben engagiert sind. Während die Verwaltung der Diözese und die einheimischen Pfarreien von 35 000,- US $ aus Rom leben müssen (plus geringen Einnahmen aus ökonomischen Tätigkeiten), arbeiten und leben die ?Missionare? eigenfinanziert durch ihrer Kongregationen. Die finanzielle Enge zwingt den Bischof, alternative Einkommensquellen zu suchen. Eine Möglichkeit besteht im Ausbau und in der Akquirierung neuer Einkommen schaffender Projekte. Neben einer Schule sind das bisher die Schreinerei, die Apotheke und das Internet Cafe. Vom Ausland finanziert werden ein Landwirtschafts-Projekt (MISEREOR), das große Schulprojekt von CARITAS (Spanien), Radio ?Ohne Grenzen? und die örtlichen Sozial- und Ausbildungsprojekte der Nonnen. Außerdem gehört ein Teil der Universität der Diözese sowie größere Liegenschaften. Unzureichende administrative Fähigkeiten und mangelnde betriebswirtschaftliche Kompetenz führen nicht zu den gewünschten Zusatzeinkommen.

... Die Verwaltungspraxis des Bischofs kann am besten mit ?kommt her zu mir alle mit euren Problemen? umschrieben werden. Eine geregelte Ablauforganisation gibt es nur in Ansätzen."

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Abre mão Bispo!
M mit Bischof unterwegs - 01?Öffne die Faust, Bischof? ist meine Botschaft. Er hält sie eisern geschlossen, seine Regierungshand. Und gibt kein Fitzelchen an Verantwortung ab. Heute gab es so ein Beispiel. Er hatte uns seine Idee einer zweiten Apotheke in Montepuez vorgestellt, einem kleinen Ort im Inneren seiner Diözese und gebeten, dabei zu helfen. Räumlichkeiten sind da, Missionarinnen vor Ort, sie wissen Bescheid, sagt er. Wir wollten gleich Nägel mit Köpfen machen. Damit er entlastet wird, haben wir vorgeschlagen, einem seiner jungen Padres die Koordination zu übergeben, mit der Direktorin der Apotheke hinzufahren und alles vor zu bereiten. Da fing er an erschrocken zu stottern. Irgendwas von ?noch nicht so weit und anders muss erst...? nuschelt er in seinen nicht vorhandenen Bart. Ich habe das Gespräch abgebrochen. Dann eben nicht. Ohne ihn darf nichts gehen. Oder? Will er nicht oder kann er nicht? Sehen wir falsch hin? Es ist alles so widersprüchlich. Er ist so nett zu uns, freut sich, bedankt sich für die Gespräche, lacht so gerne, auch über sich, ist menschlich. Möchte Änderungen. Braucht sie. Und kann nichts loslassen. Ach Bispo! Er möchte halt, dass sich was ändert ohne dass sich viel ändert.
Morgen fährt er für 2 Wochen weg. Und alles wird liegen bleiben sagen seine Leute.

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Was wir so machen
R arbeitetGenerell sind wir dabei, ein Organigramm aller Aktivitäten der Diözese zu erstellen und mit einem Geschäftsverteilungsplan den Bischof zu entlasten. Bisher ist er der einzig große Macher der sich für alles verantwortlich fühlt. Sogar die Haustür öffnet er, wenn der Wächter mal gerade wieder woanders ist. Für die Schreinerei haben wir ein Konzept erarbeitet, wie sie produktiver werden können. Ein Fachmann ist bei unserem Senior Experten Service in Deutschland beantragt und umgehend bewilligt worden. Der soll noch dieses Jahr kommen. M hat die Schule evaluiert und Veränderungsvorschläge gemacht. M schult Schwester am PCSie gibt Kurse am PC, u.a. für die Nonnen, damit sie lernen, wie man Anträge an Hilfsorganisationen schreibt. Auch die kleine Apotheke haben wir analysiert, Alternativen der Gewinnmaximierung errechnet und den effektiveren Personaleinsatz in grafischen Tabellen vorgestellt. Sie müssen selbst entscheiden, ob sie mehr verdienen oder Arbeitsplätze halten wollen. Eine Computer gestützte Warenhaltung berücksichtigt jetzt die Verfallsdaten der Medikamente, und der Apotheker, der seinen Titel gibt damit die Apotheke existieren kann, soll auch was arbeiten. Mal sehen.

Reinhold-Projekt-Diozese-Pemba-Farmacia---3.jpgM
Wir beide bringen dem Buchhalter der Apotheke Excel bei und programmieren ihm verschiedene Tabellen und Formulare, mit denen er eine Menge Zeit sparen kann (wenn´s klappt!) Gestern hatte ich eine so schöne Tabelle entworfen und war heute früh ganz gespannt, was er wohl für Augen machen würde, wenn das Programm auf einmal ganz schnell auf Knopfdruck die 17% Steuern ausrechnen und abziehen würde. Aber irgendwo klemmte es.  Naja, jetzt arbeiten wir es heute noch mal um und vielleicht klappt es dann morgen! Viel Zeit bleibt jetzt nicht mehr.


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Bischof der Belesene

Heute haben wir am Abendbrottisch ? abends Brot scheint auch eine typisch deutsche Sitte, denn hier gab es Suppe, Nudeln und Fisch ? über Goethe, Hesse und Thomas Mann geredet. Der Bischof hat geredet, er hatte sie gelesen. In Italienisch. Wir haben nur (erstaunt) kommentiert um zu bekunden, dass wir auch was wissen. Enorm, was der Mann alles kennt.

Biestige Priester
Immer dachte ich, ein Bischof ist eine Persönlichkeit zu der alle Untergebenen ehrfurchtsvoll aufblicken. Hier ist das anders. Das scheint so weit zu gehen, dass sie ihn, unseren Bischof, auflaufen lassen. Heute war schlechte Stimmung bei Tisch. Einer hatte ihn einfach sitzen lassen obwohl er doch gesagt habe, er warte auf den Bischof, sagt der Bischof. Und ist stocksauer. Das wird Konsequenzen haben, sagt er. Und tritt gleich dem nächsten auf den Fuß. Unter seiner Schafherde sind einige sture Böcke.

Friedhof mit Deutschen GraebernDeutsche Gräber

Auf dem großen Friedhof haben wir eine Reihe Gräber mit deutschen Namen gefunden. Die Grabstellen verrottet, schief und krumm, halb im Boden eingesunken. Wer sie wohl waren, was sie wohl gemacht haben, diese Abenteurer, die sich vor hundert Jahren hier ansiedelten und gestorben sind? Seit Menschengedenken gibt es keine deutsche Kolonie mehr in Pemba.

 

 

Küche

 

 

 

Die Küche
des Bischofhauses ist in einem Nebengebäude, ziemlich verfallen alles. Doch der Koch zaubert, wenn er will, ganz vortreffliche Mahlzeiten auf seinem alten Herd. Der wäre in Deutschland schon vor Jahrzehnten beim Sperrmüll gelandet. Er lacht immer, wenn wir ihn sehen, seine Kollegen auch. Und freut sich wie ein Schneekönig, wenn wir ihn loben. Scheint er nicht zu kennen.

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Ostern
Hier brüten die Eier von selbst aus wenn man sie ließe. Aber es gibt keine Ostereier. Die schauen alle recht dumm, wenn wir von unserer Sitte erzählen. Kirche.jpgWir waren heute wieder mal in der Messe. Es war sehr sportlich. Dauernd aufstehen, klatschen, singen, setzen. Dann sind sie alle nach vorne gegangen, es war aber nicht das Abendmahl, sie sind einfach am Altar vorbei und haben genickt und dann haben sie sich wieder gesetzt. Dann haben sie noch Erntedank gemacht und eine Dose Nescafe, Zucker, Reis und andere Lebensmittel nach vorne gebracht. Keine Ahnung, ob das für den Priester war.Tanzgruppe in der Kirche.jpg Die Tanzgruppe ist niedlich, lauter Mädchen zwischen 8 und 14 und die tanzen barfuss zum Gemeindesingen. Das sieht schön aus und ist sehr unterhaltsam. Es sind Mädchen, die von der Kirche den traditionellen Initiationsriten abspenstig gemacht wurden. Bei denen kriegen Mädchen und Jungen wichtige Lehren mit auf den Weg ins Leben, wie z.B. Schmerz aushalten und Sex machen. Bei den Katholen gibt?s auch wichtige Lehren zu lernen, ich befürchte, sie sind weniger auf das Diesseits ausgerichtet. Predigen tut der Priester nicht viel. Dafür lesen sie zu zweit viel ab. Diesmal dauerte es nur knapp 2 Stunden. Sie hatten aber gestern Abend schon Messen von 9.00 Uhr bis knapp 2.00 die Nacht. Und Freitag ebenfalls. Für unsere Priester war es eine harte Woche und sie sind alle kaputt. Jeden Tag begann die erste Messe um 6.00 Uhr morgens. Und tagsüber war auch einiges los. Der Bischof sah ganz elendig aus heute. Beim Abendessen ging?s ihm schon besser und wir haben lange diskutiert, ob Mosambik mit Brasilien mehr Kontakte haben soll. Ich bin dafür wegen der Süd-Süd Verbindung. Länder des Südens sind sich in der Entwicklung näher als die Technisierung aus dem Norden. Der Bischof ist gegen Brasilien. Weil die Brasilianer die Homosexualität nach Mosambik bringen täten. Jeder hat so seine Gründe.

Ich hab jetzt meinen Grund Schluss zu machen, denn ich werde mich zu M schleichen und da hören wir noch Buch. Über einen Mann der erzählt, wie er als Kind Ferien machte und wie er seine Frau im Sterben begleitet hat und wie er Altersflecken kriegt. Alles durcheinander. Zu lesen haben wir nur noch ein Geschichtsbuch über Mosambik. M hat auch das schon ausgelesen dazu den Hirtenbrief des Bischofs und alle Traktate. Wir haben einen Hilferuf an einen Freund losgelassen, der kommt am Samstag aus Maputo. Er soll irgendwas mitbringen was Buchstaben hat.
Jetzt geht auch noch der Tabak aus! Wird Zeit

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Schloss Camelot
Was für Welten! Der Strom ist weg, wir liegen auf unserem Bett in Afrika, warm wogende Luft streicht über uns. Und in den Kopfhörern geistern König Arthus und die Ritter der Tafelrunde. Mittelalter, winterliche Landschaften, verzauberte Schwerter, Magier und ein wunderschöner König, der allen seinen Untertanen nur Gutes tut. Hier in Afrika gibt es auch Zauberer. Aber der gute König der allen Wohlstand bringt, der fehlt noch.

Kunst
Auf der Insel Ibo gibt es 2 Autos. Das von der Gouverneurin und das vom Hotelbesitzer. Beide Autos hatten einen Unfall. Sie sind zusammengestoßen. Mittenmang. Das bringt auch nicht jeder fertig.

Reklame
?Weil Schmutz Spaß macht: OMO? wirbt die Reklame. Freut mich zu hören. Ob das auch für Rotweinflecken gilt?

Jetzt ist es passiert
Gleich 2 Zähne raus. War nur eine Brücke. Und das Knie will nicht mehr laufen. Jetzt lispele und humple ich. Mal sehn wie sich das entwickelt. Der einzig gute Zahnarzt hier, ein Italiener, ist anscheinend nicht mehr da. Pater João will sich darum kümmern. Wenn alle Stricke reißen, fliege ich nach Dar es Salaam zu meinem Zahnarzt. Ist ja nicht mehr wie bei Livingstone. Der hätte ein halbes Jahr zu Fuß bis nach Dar es Salaam gebraucht und immer noch keinen Zahnarzt gefunden.

Freundlichkeit
?Seien sie nicht enttäuscht, Mosambikaner grüßen nicht? stand im schlauen Buch. Es fällt mir immer noch schwer, ruhig zu bleiben, wenn Angestellte am Morgen rein kommen und mich mit keinem Blick beachten, dazu noch ein Gesicht wie 3 Tage Regenwetter. Beim den ersten Malen dachte ich an schlechte Kinderstube. Um festzustellen, dass der Charme von DDR-Zöllnern besonders bei jungen Frauen Landessitte ist.  Mein Vergleich mit DDR Bürokraten ist gewollt. In der Tat haben diese Genossen nach der Unabhängigkeit fleißig geholfen, die durch den Kolonialkrieg und den Abzug der Portugiesen ruinierte Wirtschaft des Landes vollends gegen die Wand zu fahren. Sieht so aus, als hätten sie Bürokraten-Verhalten bis heute (mit) geprägt. Unlust bis Verweigerung, irgend etwas zu tun ist noch immer Tagesordnung in den Verwaltungen. Dass die DDR Einfluss auf das Verhalten junger Menschen in Afrika hatte, wage ich dann doch nicht zu behaupten. Wäre zu viel der Ehre in so kurzer Zeit.
Projekt Diözese Pemba Farmacia - 4PS: Es gibt viele freundliche Mosambikaner!

 

 

 

LAM-Pemba.jpg

 

Ein Erlebnis aus der ersten Welt
Wir waren bei LAM, der Fluggesellschaft, unsere Flüge bestätigen. Ich hatte mich auf ein längeres Palaver mit hohen Geldforderungen wegen Umbuchung eingerichtet. Sogar die Möglichkeit, dass sie uns ablehnen hatten wir diskutiert. In dem Fall, wir waren uns einig, fahren wir mit dem Bus. Am 11. sind wir in Maputo, komme was da wolle. Das Gebäude der Fluggesellschaft ist ein neuer Flachbau, seine saubere blau-rot-weiße Erscheinung sticht heraus zwischen all den grau-weißlichen Gebäuden drum herum. Und dann waren wir in einer anderen Welt. Kühles Klima, schönes Interior, geschwungene Tresen, nette Bedienung. Und kompetent! Sie studiert unseren Flugplan, tippt auf ihrem Computer, sagt, einen Moment, kommt nach Sekunden mit einem Ausdruck zurück, heftet ihn an, überreicht ihn mit einem Lächeln: alles erledigt. M sagt: es war wie auf einem anderen Stern.

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Trommler
Da war sie wieder, diese Musik in der Nacht. Die treibenden Trommeln scheinen den Rhythmus immer schneller zu jagen, gestützt von einer Pauke die zwischen die Wirbel schlägt. Darüber jault die Cuica, die Reibetrommel, bei der ein im Fell des Tamburin eingebettetes Bambusstäbchen mit einem feuchten Tuch gerieben wird, dieses außergewöhnliche brasilianische Instrument, das Töne wie ein geplagter Esel von sich gibt. Es regt auf uns soll ja wohl. Jetzt noch der helle Klang der Kuhglocken an einem gebogenen Stahldraht dazu, mit einem Stock geschlagen, ebenfalls dazwischen, nicht im Takt und doch den Rhythmus stärkend. Infernalisch. Südtour 1 nach Tunduru NgomaIch stell mir nackte, schwitzende Oberkörper vor, über ausgehöhlte Baumstämme gebeugt, die ganze Nacht durchtrommelnd, eine Masse stampfender ekstatischer Tänzer antreibend. Und merke auf einmal, dass es vom Band sein muss. Die Musik kenne ich. Aus Brasilien.

Aber täuschen tu ich mich öfters hier. Wo ich Afrika drin erträume ist es noch nicht mal drauf. Neulich, als ich schrieb, dass sie Donnerstag schon beginnen mit der dröhnenden Musik, da war es Karneval. Wir haben es eine Woche später festgestellt als sie ihn beerdigten. Den Karneval. Drei Wochen später als auf dem Kalender. Sie hatten erst angefangen als in Köln die Bürgersteige gekehrt und die Sachen eingepackt wurden.

 

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