Kasachstan
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Planet
Mangystau
Im Westen Kasachstans liegt ein vor 50 Millionen Jahren trockengefallener Ozean, dessen »Unterwasserwelt« sich mit dem Bike erkunden und im Querformat bestaunen lässt.
Der Bokty ist schuld. Bokty bedeutet auf Kasachisch Kuchen, meint aber in diesem Fall einen Berg. Optisch ist er jedoch ohne Frage ein echtes Sahneschnittchen mit seinen weiß-rot-braunen Querstreifen. Gesehen erstmals auf dem Instagram-Account des preisgekrönten Landschaftsfotografen Daniel Kordan, war bei mir sofort die Idee geboren, diesen irreal wirkenden Berg mal auf seine Befahrbarkeit mit dem Mountainbike testen zu lassen. Denn ein kleiner Fahrradfahrer in solch einem monumentalen Gelände, das ist die Kirsche auf der Fototorte.
Schnell war eine reiselustige Truppe aus Landschaftsfotograf:innen und versierten Bikern zusammengestellt und Anfang Oktober ging es via Istanbul nach Aqtau am Kaspischen Meer. Obwohl mehrfach per E-Mail abgestimmt, war der örtliche Reiseveranstalter Red Maya dann doch etwas überrascht ob unserer zwei Bikebags. Darin dicke Freerider mit dicken Reifen und noch dickeren Bremsscheiben. Gravelbikes kannten sie zwar und Motocross-Touren haben sie sogar selbst im Programm, doch mit Mountainbikes weglose Berge rauf- und runterkurbeln? Das hatte ihres Wissens nach noch niemand in Mangystau gemacht.
Anfangs ging die wilde Fahrt in drei Geländewagen vorbei an tristen Ölfeldern, auf denen Pumpen bis zum Horizont vor sich hin wackeln. Nach drei Stunden durch karge Landschaft dann plötzlich ein abrupter Szenenwechsel. Vor uns tut sich die Erde auf und bis zum Horizont erstreckt sich eine Tiefebene, aus der einzelne Tafelberge wie Inseln herausragen. Der Höhenmesser zeigt 80 Meter unter null. Über Jahrmillionen haben hier Wind und Wasser aus dem trockengefallenen Grund des Tethysmeers eine Naturarena geschaffen, bei der selbst geübte Poeten um Worte ringen. Überall liegen rostfarbene Kugeln, die sich als ehemalige Korallen entpuppen (und auch so scharf sind). Wer Glück hat, findet sogar einen Zahn des Urzeit-Hais Megalodon.
Unglaublich schön ist das Ganze, aber unsere Mountainbiker treibt vor allem eine Frage um: Ist das auch fahrbar? Was, wenn die Oberfläche zu hart ist. Oder zu weich? Als wir am Bokty ankommen, wird sogleich mit der Fußspitze eine Bodenprobe genommen. Es spritzt, aber nicht zu viel. Perfekt! In den folgenden Tagen strolchen wir durch diese Urlandschaft und suchen nach fahrbaren Linien und den passenden Perspektiven.
Das Team von Red Maya sorgt dafür, dass wir nicht abhandenkommen, und bekocht uns mit feiner Landesküche. Nur das Kreuz bei vegetarisch hätten sich unsere zwei Fleischlos-Esser bei der Anmeldung sparen können, denn Gerichte ohne Pferd oder Kamel scheint unser Koch nicht zu kennen.
Des Vergnügens zweiter Teil beginnt nach dem Abendessen, wenn wir unter einem Himmelszelt mit Abermillionen Sternen ins richtige Zelt krabbeln. Die Nächte sind absolut still und erholsam. Von einem plötzlichen Sandsturm, der uns nachts ordentlich paniert, einmal abgesehen.
Als wir nach acht Tagen auf Planet Mangystau wieder in Aqtau ankommen, empfinden wir tiefe Dankbarkeit für diese phänomenale Reise. Bokty und Co. haben geliefert.
Eine Crew, eine Mission: ausprobieren, ob man in Mangystau auch Mountainbike fahren kann. Fazit? Und wie. Vor der Kamera dabei: Tobias Woggon und Christian »Texi« Textor. Dahinter: Bastian Meier, Bego Zakarin, Karen & Oliver Schwenn, Annika & Matthias Koch und Michael Neumann.
TEXT: Michael Neumann
FOTOS: Michael Neumann, Oliver Schwenn
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Dieser Beitrag ist Teil des
Globetrotter Magazin 37, Frühjahr/Sommer 2026
Willkommen im Globetrotter Magazin #37! Wie immer vollgepackt mit großen Abenteuern, kleinen Abstechern und jeder Menge Know-how.