Rundreise Yucatán
… ist Reisen weit mehr als Tapetenwechsel – es ist die schönste Art, Neues zu entdecken und den Alltag hinter sich zu lassen. Sie hat in Kanada gelebt, in verschiedenen Ländern Europas studiert und war im Nahen Osten sowie in Südostasien unterwegs. Ihre Homebase ist Hamburg, doch sobald es geht, zieht es Globetrotterin Sara hinaus in die Welt – dorthin, wo Natur und Tiere die Hauptrolle spielen.
In drei Wochen den mexikanischen Teil der Halbinsel Yucatán erkunden – so lautet mein Plan, als ich Ende Oktober ins Flugzeug steige. Mein Ziel ist es, ein Land kennenzulernen, in dem ich zuvor noch nie war, und in seine Kultur einzutauchen. Ich möchte neue Menschen treffen, fremde Natur entdecken, die mexikanische Küche genießen und den Día de los Muertos erleben.
Ich plane, alleine zu reisen. Das ist nichts Neues für mich, denn ich war schon öfter allein in der Welt unterwegs und bin das Solo-Reisen als Frau gewohnt. Trotzdem bin ich vor meiner Rundreise auf der Halbinsel Yucatán etwas nervös.
Warum die Yucatán-Halbinsel?
Warum die Yucatán-Halbinsel?
Mexiko ist wirklich riesig – daher steht von Anfang an fest: In drei Wochen werde ich nicht alles sehen können. Die Halbinsel Yucatán hat es mir jedoch direkt angetan. Dort gibt es zahlreiche Tempel der alten Maya-Kultur, die koloniale Stadt Mérida und einzigartige Natur – den Dschungel, die wunderschönen Kalksteinhöhlen, genannt Cenoten, und das türkisfarbene, glasklare Meer, das ein Paradies für Schnorchler:innen und Taucher:innen ist. Zudem gilt Yucatán als eine der sichersten Regionen Mexikos. Während meiner Reise beschränke ich mich auf die beiden Bundesstaaten Quintana Roo und Yucatán, um die Zeit dort auch in vollen Zügen genießen zu können
Start meiner Yucatán-Rundreise
Start meiner Yucatán-Rundreise
Beim Verlassen des Flughafens in Cancún laufe ich sofort gegen eine heiße, schwüle Wand, die mich nach der langen Reise ins Hier und Jetzt zurückholt. Vom Flughafen bis in die Stadt ist es etwa eine Stunde Fahrt. Ich hatte mich zuvor schon informiert, wie ich von A nach B komme, und wollte ursprünglich mit dem Taxi fahren. Ein Auto zu mieten war mir zu gefährlich, und öffentliche Verkehrsmittel in Mexiko sind auch nichts für zarte Gemüter. Die Fahrt mit dem Taxi hätte allerdings – entgegen meiner Recherche – über 100 Dollar gekostet, daher entscheide ich mich kurzerhand, doch den Bus zu nehmen. Der ist zwar unschlagbar günstig, aber ich hatte im Vorfeld gehört, dass Busfahrten in Mexiko mitunter recht abenteuerlich sein können. In meinem Fall verlief jedoch alles völlig entspannt und überraschend angenehm.
Um anzukommen und meinen Jetlag auszuschlafen, nehme ich mir einen Tag in Cancún. Die Stadt selbst ist schön, aber sehr touristisch – und ich kann nur empfehlen, sich von der Zona Hotelera fernzuhalten. Diese Halbinsel liegt zwar wunderschön direkt am Karibischen Meer, wirkt aber wie der Ballermann von Mallorca. Außerdem möchte ich den mexikanischen Feiertag Día de los Muertos unbedingt in Mérida verbringen und mache mich deshalb zügig auf den Weg in Richtung Westen.
Der Día de los Muertos in Mérida
Der Día de los Muertos in Mérida
Der Día de los Muertos – auf Deutsch „Tag der Toten“ – ist ein nationaler Feiertag, der in Mexiko am 2. November gefeiert wird. An diesen Tagen kommen Familien und Freunde zusammen, um ihrer Verstorbenen zu gedenken – nicht mit Trauer, sondern mit Lebensfreude, Dankbarkeit und Respekt. Der Tod wird hier nicht verdrängt, sondern als Teil des Lebens verstanden. Der Día de los Muertos wurde von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt und steht für eine einzigartige Sicht auf Leben, Tod und Erinnerung.
Das Fest in Mérida zu verbringen, ist eine gute Entscheidung. Die elegante Kolonialstadt mit ihren historischen Gebäuden und schönen Restaurants verwandelt sich nach Sonnenuntergang in ein einziges, lebendiges Volksfest. Überall ziehen als Skelette verkleidete Menschen durch die Straßen. Überall spielt Musik, alles ist mit Blumen geschmückt, die Menschen tanzen und feiern. Besonders beeindruckend sind die Ofrendas, kunstvoll geschmückte Altäre, die in Restaurants, auf öffentlichen Plätzen und in Hauseingängen aufgestellt werden, um die Verstorbenen zu ehren.
Der Höhepunkt des Abends ist für mich die Desfile de Catrinas, ein farbenfroher Umzug im Rahmen des Día de los Muertos. Menschen verkleiden sich als La Catrina – eine elegante, skelettartige Dame mit Hut und Kleid, die zum Symbol dieses Feiertages geworden ist. Links und rechts jubeln Einheimische, und ich mittendrin – bewegt, fasziniert und dankbar, Teil dieses Moments zu sein.
Mérida ist nicht nur perfekt, um den Día de los Muertos zu erleben, sondern auch ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge. Einen Tag widme ich hier beispielsweise ganz der Maya-Kultur und besuche die Tempel von Uxmal und Kabah. Mit einem Minivan geht es auf der Fahrt dorthin querfeldein, direkt in den Dschungel. Bei 32 Grad, strahlendem Sonnenschein und hoher Luftfeuchtigkeit bin ich schnell schweißgebadet – zum Glück aber mit Sonnencreme und Mückenschutz ausgestattet. Vor Ort habe ich Zeit, die Tempelanlagen in aller Ruhe zu bestaunen. Ein Guide, der selbst ein Nachfahre der Maya ist, führt mich und ein paar andere Tourist:innen über das Gelände und beantwortet unsere Fragen.
Einen anderen Ausflug unternehme ich zum Dorf Celestún, das direkt an der Westküste und damit am Golf von Mexiko liegt. Bei einer Bootstour durch die Mangroven sehe ich nicht nur Flamingos und Delfine, sondern auch Fledermäuse, Adler, Kormorane, Pelikane, Geier, verschiedene Reiher und Fregattvögel – ein echtes Paradies für Vogel- und Naturliebhaber:innen. Insgesamt vier Tage verbringe ich in Mérida – eine gute Zeitspanne, wenn man die Stadt wie ich als Ausgangspunkt für Ausflüge nutzt. Ich hätte aber auch problemlos noch zwei, drei Tage dranhängen können.
Unsere Globetrotter Ausrüstungstipps
für deine nächste Fernreise
Chichén Itzá, Tacos und Cenoten
Chichén Itzá, Tacos und Cenoten
Eine weitere entspannte Busfahrt bringt mich von Mérida nach Valladolid. Die kleine Stadt mit Hippie-Flair ist mein Ausgangspunkt, um die Ausgrabungsstätte Chichén Itzá und die geheimnisvollen, mit Süßwasser gefüllten Höhlen, genannt Cenoten, zu besuchen. Chichén Itzá ist eines der neuen sieben Weltwunder – entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Die Anlage selbst ist in jedem Fall beeindruckend, ich bin allerdings etwas enttäuscht: Wo in Uxmal und Kabah Touristen an zwei Händen abzuzählen waren, stehen hier überall lange Schlangen, und Souvenirshops säumen die Wege. Ich bin froh, dass dies nicht mein einziger Eindruck der alten Maya-Kultur bleibt.
Nach der Besichtigung von Chichén Itzá gibt es ein Mittagessen mit yucatekischer Küche – ich träume immer noch von den Cochinita-Pibil-Tacos – und anschließend geht es zu drei wunderschönen Cenoten. Diese sind zwar teilweise sehr touristisch, aber man sollte sie auf jeden Fall einmal gesehen und einen Sprung ins kühle Nass gewagt haben. Da es in Yucatán und Quintana Roo so viele davon gibt, finden sich bestimmt auch ruhigere Orte.
Tauchen mit Haien vor Cozumel
Tauchen mit Haien vor Cozumel
Nach meinem Kulturprogramm in Mérida und Valladolid steht nun Entspannung an, und ich mache mich mit dem Bus auf den Weg in Richtung Playa del Carmen. Der gar nicht so kleine Ort liegt direkt am Karibischen Meer, auch bekannt als Riviera Maya. In Playa del Carmen verbringe ich über eine Woche. Mein Highlight hier ist definitiv das Tauchen mit Bullenhaien, das Wrack Mama Viña und ein Tauchtag vor Cozumel – dem zweitgrößten Barriereriffsystem der Welt. Neben Barrakudas, Hummern, Muränen, Rochen, Schildkröten und Ammenhaien habe ich übrigens auch den endemischen Korallen-Krötenfisch entdeckt. Wer einen Tauchschein hat, sollte diesem schönen Fleckchen Erde unbedingt einen Besuch abstatten!
Bevor meine Reise zu Ende geht, mache ich noch einen Abstecher auf die Isla Mujeres und verbringe einige Tage auf der entspannten und einsamen Isla Holbox. Hier gibt es keine befestigten Straßen und auch keine Autos – nur kleine Golfcarts, die Tourist:innen mit ihren Koffern vom Hafen zu den Hotels und zurück bringen. Ich bin am liebsten zu Fuß am Strand entlanggegangen und habe so die Insel erkundet. Hier kann man die Zeit mit Baden verbringen und exzellente mexikanische Küche genießen – oder, so wie ich, mit einem guten Buch und einem Badetuch auf dem weißen Sandstrand liegen. Der perfekte Abschluss meiner dreiwöchigen Rundreise.
Fazit meiner Reise
Fazit meiner Reise
Wann immer ich an die Reise zurückdenke, bin ich unfassbar dankbar, all das erlebt zu haben. Besonders im Gedächtnis bleiben mir die beeindruckenden Tempelanlagen, das gute Essen, meine Tauchgänge mit Haien, das Schwimmen neben Flamingos und der Umzug Desfile de Catrinas. Vor allem aber sind es die Einheimischen, die mir mit ihrer herzerwärmenden Art diesen Urlaub zu einer unvergesslichen Reise gemacht haben.
Infos zur Halbinsel Yucatán
Wie sicher ist die Halbinsel Yucatán?
Eine wichtige Frage bei meiner Planung war: Wie sicher bin ich als alleinreisende Frau in Mexiko? Vom Auswärtigen Amt gibt es Sicherheitshinweise, und es wird dringend abgeraten, in bestimmte Regionen zu reisen. Yucatán zählt allerdings zusammen mit Quintana Roo zu den sichersten Gebieten in Mexiko – ein weiterer Grund, warum ich mich für eine Reise dorthin entschieden habe. Leider habe ich mich vor der Reise etwas verrückt machen lassen, sodass ich mit einem sehr mulmigen Gefühl losgeflogen bin. Vor Ort haben sich meine Sorgen jedoch als unberechtigt erwiesen.
Wie viele Tage braucht man für eine Rundreise?
Wer die Hauptattraktionen sehen möchte und nicht nur Hotelurlaub in Cancún machen will, ist mit zwei bis drei Wochen gut beraten. Ich hätte allerdings problemlos noch länger bleiben können. Ein oder zwei Tage mehr an fast jedem Stopp wären schön gewesen – einerseits zur Entschleunigung, andererseits, weil es noch sehr viel zu entdecken gibt. Für mich sind drei Wochen Reisen am Stück aber ausreichend, und ich freue mich, wieder nach Hause zu kommen, um alle gesammelten Eindrücke zu verarbeiten.
Wann ist die beste Reisezeit?
Für die Halbinsel Yucatán ist die geeignete Reisezeit von Ende November bis April. Ich reise aber am liebsten in der Nebensaison, um Land und Leute möglichst ohne Touristenströme kennenzulernen. Unter anderem deshalb bin ich schon Ende Oktober losgeflogen und habe dafür auch gerne ein paar Regentropfen in Kauf genommen.
Wann ist die Hurrikansaison?
Der Herbst gilt als Hurrikansaison auf der Halbinsel Yucatán. Zu dieser Zeit kann es viel Regen und Sturm geben. Auch während meines Aufenthalts gab es mehrere Stürme, allerdings nichts Dramatisches.
Wie weit ist Chichén Itzá von Mérida entfernt?
Viele Tourist:innen unternehmen nur einen Tagesausflug zur Ausgrabungsstätte Chichén Itzá und kommen mit einem Bus aus Cancún oder Mérida. Die Fahrt dauert mehrere Stunden in eine Richtung (plus Zeitverschiebung). Von Valladolid aus sind es nur etwa 30 Minuten! Deswegen: Früh sein lohnt sich. Ich war direkt zur Öffnung vor Ort und musste mich schon anstellen. Als ich um halb elf vormittags gegangen bin, war es bereits brechend voll.
Wie viele Tage sollte man Chichén Itzá besuchen?
Für die Ausgrabungsstätte Chichén Itzá reicht ein Tag aus.
TEXT & FOTOS: Sara Glöckner