Planer: Fernwandern auf dem Israel National Trail

Gut geplant ist halb gewonnen! Deine große Reise beginnt nicht erst am Flughafen, sondern schon bei der Vorbereitung. Alles was du für eine Fernwanderung auf dem »Israel National Trail« wissen musst, erklären wir in diesem Artikel.

Inhalt:

Globetrotter Infos: Israel

Sprachen: Hebräisch, Arabisch, Englisch.
Einwohner: ca. 9 Millionen.
Größe: ungefähr so groß, wie Hessen.
Bevölkerungsdichte: 410 Einwohner pro km² (Deutschland: 233 Einwohner pro km²).
Geld: Schekel (ILS).
Zeitverschiebung: +1.
Reisezeit: Frühjahr/Herbst.
Reisebudget: 3000 € inkl. Flug für 8 Wochen Reisezeit.

2 Fakten zur Israel:

1) Am Shabbat (Freitagabend bis Samstagabend) ist ziemlich tote Hose. Fast alle Geschäfte haben zu und selbst Bus und Bahn fahren nicht mehr.

2) Fast alle jungen Israelis müssen nach der Schule Militärdienst leisten. Für Jungen sind es 2,5 Jahre, für Mädchen 2 Jahre.

Warum sollte man auf dem Israel National Trail wandern?

Auf dem Israel National Trail kann man die Vielfalt der Natur in Israel wunderbar kennenlernen. Der Norden ist noch vergleichsweise fruchtbar, man läuft am See Genezareth vorbei, kann einen Abstecher nach Tel Aviv und Jerusalem machen und ab dem Toten Meer beginnt dann die Wüste. In der Steinwüste Negev bekommt man Schritt für Schritt die kleinen Veränderungen in der kargen Landschaft mit.
Der Weg hat eine hohe Bedeutung bei den Israelis. Viele absolvieren ihn nach dem Militärdienst. Außerdem ist Wandern eine sehr verbreitetes Hobby. Als Wanderer spürt man die ausgeprägte Gastfreundschaft der Menschen vor Ort. Oft wird man an Pausenplätzen von Picknickgruppen eingeladen und bekommt so eine persönliche Verbindung zu Land und Leuten, die vielen Israel-Touristen verborgen bleibt.

Wie lang ist der Trail und wo führt er lang?

Der komplette Weg ist 1100 Kilometer lang und bietet eine Gesamthöhendifferenz von mehr als 21.000 Höhenmetern. In der Israel National Trail App (iOS / Android) sind Etappenlängen zwischen 7-48 Kilometern vorgeschlagen. Wie lange man für den gesamten Trail benötigt hängt sehr vom eigenen Reise- bzw. Wandertempo ab. Wer schnell ist und wenige Pausentage braucht schafft es in 2 Monaten. Außerhalb von Naturschutzgebieten kann man sein Nachtlager in der Natur frei wählen. Picknickplätze mit einem Wasserhahn (meist ohne Toilette) bieten sich als Zeltplätze an. So kann man seine Etappenlängen oft auch frei wählen. In der Wüste hingegen bestimmt das Wasser die Etappenlängen. Dort sind die Wasserhähne rar und Etappen oft lang. Dort gibt es aber auch die Möglichkeit Wasserdepots zu organisieren.

Kann man auch nur einzelne Etappen laufen oder überspringen?

Etappen zu überspringen ist gar kein Problem. Das Busnetz ist sehr gut ausgebaut und sollte man doch mal an einer Haltstelle stehen, wo erst in einer Stunde der nächste Bus kommt, kommt man mit Trampen meistens schneller voran. Die Israelis halten dafür den Zeigefinger auf die Straße gerichtet, aber der Daumen nach oben wird meistens auch verstanden.

Literatur zur Reisevorbereitung

    Für wen ist der Israel National Trail ein realistisches Ziel?

    Eine solide Grundfitniss sollte man mitbringen. Läuft man von Norden nach Süden, sind die Etappenlängen und Höhenmeter zu Beginn noch moderat und man kann sich gut einlaufen. Im Frühjahr startet man in der Regel im Süden und läuft nach Norden. Dann gibt es direkt zu Beginn einige harte Abschnitte zu bewältigen, wo man auch viel Wasser mitschleppen muss.

    Wie komme ich zum Startpunkt und wie vom Ziel wieder weg?

    Mit Fernbussen kommt man von den Metropolen Tel Aviv und Jerusalem komfortabel und schnell zum Startpunkt Tel Chai im Norden oder Eilat Süden. Am einfachsten und kostengünstigsten navigiert man mit der App Moovit. Alternativ kann man sich auch die sogenannte »Rav-Kav« Karte kaufen. Eine Art Prepaid Chipkarte, dessen Guthaben in Bus und Bahn abgebucht werden kann.

    Wo übernachtet man auf dem Israel National Trail?

    Eine Hütteninfrastruktur, wie man es aus den Alpen kennt, gibt es in Israel nicht. Am besten schlägt man sein Nachtlager direkt unter freiem Himmel auf. Die Israelis haben dafür meistens nur einen Schlafsack und eine einfache Isomatte. Ein vor Regen und Ungeziefer schützendes Zelt, braucht man nur an sehr vereinzelten Tagen.

    Entlang des Weges bieten sogenannte Trail Angels für Wanderer auf dem Israel National Trail für eine Nacht eine Unterkunft an. Trail Angel sind Privatleute, die in der Nähe des Weges wohnen und ein Gästezimmer bereitstellen. Manchmal ist es aber auch eine Wiese oder Dachterrasse, wo man seine Isomatte ausbreiten kann. Über eine Liste der Trail Angels im Internet findet man nach Ort sortiert den Namen und die Telefonnummer der Trail Angel. Mehrere Kürzel zeigen die Dienste an: Dusche, Waschmaschine, Internet, Mahlzeiten, Pickup/Drop off, Poststelle oder Supermarkt in der Nähe. Außerdem gibt es den Hinweis »SHO«. Dieser zeigt an, ob die Gastgeberfamilie religiös ist und von Freitagabend bis Samstagabend, sowie an jüdischen Feiertagen ruht. Dann sollte man sich dort nicht melden und dies auch bei seinem Besuch berücksichtigen.

    Wie ist die Wasserversorgung auf dem Trail?

    In der Israel National Trail App (iOS / Android) sind nahezu alle Wasserstellen in einer Karte aufgeführt. Teilweise gibt es auch Bewertungen und Kommentare, die es sich lohnt zu lesen. Nicht immer ist die Wasserstelle noch verfügbar oder manchmal hat man auch nur zu bestimmten Zeiten den Zugang. Wir haben oft auch die hebräischen Kommentare mit dem Google-Übersetzer für uns lesbar gemacht.

    In der Wüste gibt es die Möglichkeit Wasserdepots anzulegen. Dafür empfiehlt sich auf kommerzielle Dienste zurückzugreifen, die einem zur Not auch Wasser kurzfristig bringen, wenn das Depot geplündert wurde.

    Wie verpflegt man sich auf dem Trail?

    Im dichter besiedelten Norden kommt man fast täglich an einem Supermarkt vorbei, um die Vorräte aufzustocken. Es lohnt sich aber auch sehr nach Shawarma-Läden Ausschau zu halten. Hier werden köstliche Falafel, oder gegrilltes Hühnchenfleisch in Pitabrot serviert. Auch den Hummus sollte mal unbedingt probieren, der ist viel besser, als alles was man in Deutschland so bekommt. Die Israelis haben selbst immer eine Dose mit Tahini, einer Sesampaste dabei. Das essen sie mit fast allem.

    In der Wüste sollte man Essen für mehrere Tage dabei haben, das auch mit wenig Wasser zubereitet werden kann. Hier bieten sich vor allem Reis und Linsen an.

    Wann ist die beste Reisezeit für den Israel National Trail?

    Die beste Reisezeit ist Frühjahr oder Herbst. Im Sommer ist es besonders in der Wüste zu heiß zum Wandern. Im Winter regnet es mehr. Im Frühjahr startet man im Süden, sodass man in der Wüste noch die kühleren Temperaturen hat. Im Herbst gilt genau das Gegenteil. Man startet im Norden, um erst in der Wüste anzukommen, wenn es dort schon kühler geworden ist.

    Was muss man für eine Reise nach Israel beachten?

    Deutsche Staatsbürger benötigen bis zu einem Aufenthalt von drei Monaten kein Visum. Für die Einreise sollte man aber auf jeden Fall genügend Zeit mitbringen. Sehr rechtzeitig am Flughafen zu sein ist Pflicht, da es mehr Sicherheitskontrollen gibt, als bei normalen Flügen. Sowohl bei der Einreise, als auch bei der Ausreise sollte man darauf vorbereitet sein einige Fragen zu beantworten, beispielweise zum Grund der Reise und wo man sich aufhalten wird. Wer Stempel aus arabischen Ländern im Pass hat muss mit mehr Fragen rechnen, darf aber in der Regel einreisen.

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    Wie reist man im Land am besten?

    Trampen ist vermutlich die günstigste Art zu reisen und man kommt mit vielen Leuten ins Gespräch. Israel gilt als sehr sicheres Land zum Trampen und auch viele Einheimische machen davon gebrauch. Danach ist der Bus meistens die beste Option und auch relativ preisgünstig. Außerdem gibt es einige Zugstrecken, die sehr regelmäßig befahren werden. So kommt man beispielsweise von Tel Aviv nach Jerusalem in 28 Minuten.

    Benötigt man für den Israel National Trail ein Permit?

    Nein.

    Was sind landschaftliche Highlights am Weg?

    Die landschaftlichen Highlights sind meistens die Naturschutzgebiete, durch die man wandert. Im Norden hat uns das Naturreservat Amud mit seinen Canyons und grünen Schluchten begeistert. Im Süden ist der Mt. Karbolet, beeindruckend. Man wandert Kilometerlang auf einem Gebirgskamm und schaut in einen riesigen Krater. Um einen herum sind nur Steine und Sand. Diese Etappe gilt aber auch als die anstrengendste auf dem ganzen Weg. Deshalb findet man hier selten Tagestouristen. Vom Timna Park bis zum Roten Meer sind die Farben im Stein am kräftigsten und der erste Blick auf das Meer ist bei der Ankunft unbeschreiblich.

    Was muss mit auf die Packliste für den Israel National Trail?

    Wie bei jedem »Thru Hike« gilt, so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Der Schlafsack muss nicht wärmer, als 5°C Komforttemperatur haben. Ein Zelt ist kein Muss und gilt schon als Luxusgegenstand in der Wandercommunity. Wanderstöcke helfen die hohe Belastung auf den ganzen Körper zu verteilen. Ein solider Sonnenschutz ist in der Wüste unerlässlich. Und ein Trinksystem hilft dauerhaft genügend Flüssigkeit aufzunehmen. Die Schuhe müssen zum eigenen Körper und der persönlichen Neigung passen. Manche sind mit festen Wanderstiefeln glücklich, andere setzen lieber auf leichte Trail Running Schuhe.

    Wieviele Kilo wird mein Rucksack wiegen?

    Wer sich auf das absolut nötigste beschränkt läuft mit 6 Kilogramm Basisgewicht (ohne Wasser, Essen und die getragene Kleidung). Das Wandern fällt einem dann dementsprechend leichter. Wer ein Zelt und etwas mehr Komfort in den Rucksack packt, sollte nicht mehr als 8 Kilogramm auf die Waage bringen. Mit Essen und Trinken kommen schnell nochmal 6 Kilogramm dazu.

    Was muss ich mitbringen und was kann ich unterwegs einkaufen?

    Einfaches Campingessen (Nudeln, Reis, Linsen, Bulgur) bekommt man in jedem Supermarkt. Für Gaskocher mit den üblichen Schraubkartuschen findet man oft auch in Kiosken Nachschub. Einkaufen ist in Israel teurer als in Deutschland. Die Ausrüstung sollte man also besser zuhause erstehen. Aber das einfache Campingessen, belastet das Reisebudget nicht allzu stark.

    Wie ist es als Deutscher durch Israel zu wandern?

    Alle Israelis die wir getroffen haben, waren uns gegenüber sehr offen und freundlich eingestellt. Niemand hat wegen der historischen Vergangenheit einen Groll gehegt. Die Israelis sind im Umgang sehr direkt und neugierig. So kommen schnell interessante Gespräche zustande.

    Wie geht man als Reisender mit den politischen Konflikten in Israel um?

    Auf dem Trail geht spürt man den Konflikt nur sehr selten. In den vergangenen Jahren wurde der Weg mehrmals umgelegt und meidet Gebiete, mit Konfliktpotential. Im Umland von Jerusalem sieht man aus der Ferne die Mauer, die das Westjordanland und Israel teilen. Wer einen Abstecher nach Jerusalem macht, spürt den Konflikt am meisten. Schwer bewaffnete Polizisten gehören dort zum Stadtbild.

    Auch wenn der Trail nicht durch das palästinensische Gebiet verläuft, ist es sehr zu empfehlen einen Abstecher dorthin zu machen. Als Tourist sollte man sich von beiden Seiten einen Eindruck verschaffen. Bethlehem oder Ramallah sind von Jerusalem aus leicht zu erreichen.

    Wen trifft man auf dem Trail?

    Als Ausländer ist man auf dem Trail eher die Ausnahme. Die meisten Wanderer sind junge Israelis, die gerade ihren Militärdienst beendet haben. An den Wochenenden sind auch Reisegruppen mit Berufstätigen oder Rentern unterwegs, die den Weg in Abschnitten laufen. Tagesausflügler trifft man in manchen Abschnitten vermehrt.

    Ab und zu tut man sich für ein paar Stunden oder auch mal Tage zusammen und spätestens am Abend in den Camps sieht man häufig bekannte Gesichter wieder. So entwickeln sich teilweise schnell Freundschaften. Besonders die Abschnitte durch die Wüste schweißen einen zusammen.

    Welche kulturellen Highlights sollte man unterwegs nicht verpassen?

    Wer den Israel National Trail mit wachsamen Augen läuft und sich vorher gut informiert wird jeden Tag an geschichtlichen oder kulturellen Stätten vorbeikommen. In Israel gibt es kaum einen Quadratmeter, der nicht historische Vergangenheit birgt.

    Der Trail läuft zwar nur am Stadtrand von Jerusalem vorbei, aber wer noch nicht da war sollte der Stadt unbedingt einen Besuch abstatten. Das Erbe von drei großen Weltreligionen konzentriert in der Altstadt ist unbeschreiblich.

    Wie orientiert man sich auf dem Trail?

    Die App Israel National Trail zeigt den eigenen Standort, den Trail und Wasserstellen an. Die Karte kann man herunterladen und so auch offline navigieren. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kauft sich das umgangssprachlich genannte »Rote Buch« von Jacob Saar und Yagil Henkin. In der Buchhandlung hat es den Titel »Hike the Land of Israel: Israel National Trail«.

    Der Weg ist außerdem sehr gut markiert. Drei Balken in Orange, Blau und Weiss zeigen auf Geländern, Steinen oder auch mal halb verrosteten Benzinkanistern den Weg. Orange steht dabei für die Wüste, Blau für das Meer und Weiß für den Schnee auf dem Berg Hermon, der zwar recht selten dort liegt aber den Norden markiert.

    Wie rufe ich im Notfall Hilfe?

    Den Rettungsdienst erreicht man über die Nummer 101. In vielen Abschnitten besonders in der Wüste hat man jedoch keinen Handyempfang. Wer alleine wandert sollte einen GPS-Notrufsender in Betracht ziehen.

    Der Weg ist außerdem sehr gut markiert. Drei Balken in Orange, Blau und Weiss zeigen auf Geländern, Steinen oder auch mal halb verrosteten Benzinkanistern den Weg. Orange steht dabei für die Wüste, Blau für das Meer und Weiß für den Schnee auf dem Berg Hermon, der zwar recht selten dort liegt aber den Norden markiert.

    Was kostet eine Fernwanderung auf dem Israel National Trail ungefähr?

    Das teuerste sind der Flug und die Unterkunft, die man bei An- und Abreise in Tel Aviv bucht. Wer sich hin und wieder in den Städten einen Teller Falafel und Hummus gönnt, sollte in 8 Wochen mit insgesamt 3000 Euro in der Reisekasse hinkommen.

    Die Autoren und ihr Bezug zu Israel:

    Kim Kristin Mauch & Eike Köhler

    Alter: 28 & 29 Jahre // Heimat: Kiel // Ausbildung: Medienstudium und Volontariat beim NDR // Beruf: Journalist*in // Instagram: @kim_mch @eikefilm

    Wenn Kim Kristin Mauch und Eike Köhler unterwegs sind, läuft die Kamera mit. In ihren Outdoor-Dokus stecken Sachkenntnis, Ausdauer – und die Bereitschaft, die Komfortzone weit hinter sich zu lassen. Vom Israel National Trail haben sie eine 4-teilige Doku für die ARD-Serie »Young Adventures« mitgebracht.

    Die beiden Journalisten waren auch schon mal fürs große Interview im Globetrotter Magazin zu Gast.

    Text: Kim Kristin Mauch & Eike Köhler
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