Young Adventurers: Nepal

In klapprigen Bussen, zu Fuß und auf Pferden reisen die Brüder Dennis und Patrick einmal quer durch Nepal. Ein Abenteuer, für das sie nicht nur schneebedeckte Bergpässe überwinden müssen, sondern immer wieder auch auf neue und alte Freunde am Wegesrand treffen. Ihr Ziel: der Kanchenjunga im Himalayagebirge, der dritthöchste Berg der Welt.

In „Young Adventurers“ dokumentieren die fünf Abenteurer:innen Samuel Häde, Eike Köhler, Kim Kirstin Mauch und Dennis und Patrick Weinert ihre Erlebnisse. Sie bereisen fremde Länder, lernen neue Menschen und sich selbst besser kennen. Die zwölfteilige Serie ist eine Fortsetzung des 2022 gestarteten Projekts des Norddeutschen Rundfunks und lädt junge Menschen auf Reisen rund um die Welt ein. Gemeinsam mit der ARD Mediathek stellen wir euch die fünf Autor:innen im Portrait vor.

Folge 1 in der ARD Mediathek: Young Adventurers Nepal

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Die Weinert Brüder in Nepal – ein Reisebericht

Unzählige Stunden halsbrecherische Bus- und Jeepfahrten, auf Pferden über schneebedeckte Bergpässe und hunderte Kilometer zu Fuß durchs Hochgebirge: In drei Monaten wollen die Brüder Dennis und Patrick Weinert Nepal von West nach Ost komplett durchqueren. 

Mit wackligen Schritten zerren wir unsere Rucksäcke über die schmale Hängebrücke, an deren Ende der nächste verbeulte Jeep schon auf uns wartet. Zusammen mit einem guten Dutzend Nepalesinnen und Nepalesen, die Reissäcke, Hühner und Kochtöpfe im Schlepptau haben, quetschen wir uns in das Gefährt, das uns weiter hinauf zu den tibetischen Regionen Nepals bringen soll.
Es ist nur eine weitere Etappe von vielen, die immer dann enden, wenn das Jeep-Taxi die nächste unüberwindbare Schlucht erreicht. Und bald, das ahnen wir schon, wird es nur noch zu Fuß weitergehen.
Die Worte unseres alten Freundes Bikram hallen nach: »The way to Dolpo is too difficult!«, meinte er gestern, als wir noch bequem in seinem Dorf zusammensaßen.

Drei Monate soll unsere Reise durch Nepal dauern – ein Land, dass uns seit Jahren in den Bann zieht und in das wir immer wieder zurückkehren. Diesmal wollen wir es einmal komplett durchqueren: Angefangen tief im Südwesten, bis ganz in den äußeren Nordosten, zum dritthöchsten Berg der Welt, dem Kanchenjunga.

Nach den stundenlangen Jeepfahrten und einigen Tagesmärschen in Nepals tibetische Dolpo-Region, bläst uns ein eisiger Wind um die Ohren, als wir mit schweren Beinen und brennenden Lungen zum Baga La Pass hinaufstapfen. Die Pferde, die wir uns unterwegs gemietet haben, haben schwer zu tragen. Auf ihren Rücken lasten unser Gepäck und die Kameraausrüstung, weshalb wir absitzen müssen, wann immer es zu steil bergauf geht. Bei uns ist unser Freund und Guide Zinpa, der hier in dieser extrem abgeschiedenen Region geboren wurde. Er spricht tibetisch und will uns helfen, mit den Semi-Nomaden in Kontakt zu kommen, von denen wir wissen wollen, wie es sich in der zwar wunderschönen, aber dennoch rauen Natur auf über 4.000 Höhenmetern lebt.

»Seit Jahren zieht uns Nepal in seinen Bann. All seine Facetten wollen wir auf einer Reise vom Südwesten in den Nordosten erfahren.«

— Patrick Weinert
Zwischen Tiefland und Hochgebirge bietet Nepal eine atemberaubende Vielfalt an Landschaften.

Einige hundert Kilometer weiter östlich, in deutlich wärmeren Gefilden, sehen wir bangend mit an, wie sich eine Gruppe Honigjäger an einer selbstgebauten Hängeleiter eine Klippe hinunterhangeln. Nandalar, der erfahrenste der Truppe, und seine Freunde locken die riesigen Bienen mit Rauch aus ihren Waben, um diese dann per Hand von den Klippen einzusammeln. Doch abgesehen von den riskanten Manövern, die nötig sind, um den Honig von den Felswänden zu holen, ist der Honig noch aus einem ganz anderen Grund besonders – den wir nach einer Kostprobe zu spüren bekommen.

Im Hochgebirge des Himalaja, nur noch wenige Kilometer vom Kanchenjunga-Basislager – und damit dem Ziel unserer Reise – entfernt, stoßen wir an unsere Grenzen. Es ist 2 Uhr nachts, die Luft wird dünner und dünner und unser Abenteuer Nepal wird zu einer gewaltigen Kraftprobe – auch weil der Pfad vor uns durch Erdrutsche beschädigt wurde und wir den Weg kaum noch erkennen können.

Doch der Gedanke an die überwältigende Gastfreundschaft, die atemberaubenden Landschaften und die uralten Traditionen der Nepalesinnen und Nepalesen, die wir auf dieser Reise kennen und schätzen lernen, lässt uns neue Kraft finden. Und als plötzlich das erste Licht über uns hereinbricht, ist der Sonnenaufgang am Kanchenjunga-Basislager mehr als genug, um uns all die Strapazen vergessen zu lassen.

Die Young Adventurer: Dennis und Patrick Weinert

Alter: 31 & 28 • Heimat: Rheda-Wiedenbrück Wohnort: Chiang Mai & Kathmandu • Ausbildung: autodidaktisch • Beruf: Filmemacher & Fotografen
Instagram: @weinert_brothers

Dennis und Patrick Weinert sind Filmemacher und Fotografen und konzentrieren sich in ihrer Arbeit auf die Themenschwerpunkte Kultur und Soziales sowie humanitäre Krisen und Konflikte. Seit 2017 leben die Brüder in Asien, aktuell in Thailand und Nepal.

Als freie Filmemacher und Journalisten für verschiedene deutsche und europäische öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten berichten die Brüder seit mehr als acht Jahren aus Asien und Afrika, u.a. aus der Zentralafrikanischen Republik, Kongo-Kinshasa, Pakistan, Indien, Myanmar oder Afghanistan. Ihre Filme laufen auf Sendern wie ARTE, NDR, DW, ZDF, 3sat, SRF sowie in der ARD Mediathek.

Im Jahr 2021 wurde Dennis’ und Patricks Reportage über Kinderarbeit in Pakistan mit dem Helmut-Schmidt-Journalistenpreis (1. Preis, Kategorie Newcomer) ausgezeichnet. Für ihre Reportage über die Ebola-Epidemie im Osten der D.R. Kongo erhielten sie 2019 den Peter-Scholl-Latour-Preis für Konflikt- und Krisenberichterstattung.

Wenn Dennis und Patrick nicht als TV-Journalisten arbeiten, entwickeln sie ihre persönlichen experimentellen Fotografie- und Filmprojekte. Neben ihren Bildbänden A World in Distress (2015) und Resilienz (2019), produzierten sie 2020 im Auftrag von ZDF & 3sat ihren Debüt-Essay-Kurzfilm Hinter unserem Horizont, der für einen Grimme-Preis nominiert wurde.

Die Reise der Weinert Brüder auf Instagram

Text: Frederieke Krippeit